Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019194
Während des 
Jahrh. 
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ist man immer deductiv geblieben; selbst die originellsten Denker 
waren unfähig, sich von der allgemeinen Richtung frei zu machen, 
und sahen sich gezwungen eine Methode anzunehmen, welche die 
Zeit geheiligt hatte und welche mit allen Vorstellungen des National- 
geistes verflochten war. 
Um die Untersuchung zu verstehen, in die wir jetzt eintreten 
wollen, muss der Leser den wesentlichen Unterschied scharf auffassen 
und vor Augen behalten, der zwischen Deduction, dem Argumen- 
tiren aus Principien, und der Induction, dem Argumentiren auf 
Principien los, besteht. Er muss sich erinnern, dass die Induction 
vom Kleinen zum Grossen, die Deduction vom Grossen zum Kleinen 
fortgeht. Induction ist Fortschreiten vom Besondern zum Allge- 
meinen und vom Sinnlichen zu den Ideen; Deduction ist Fort- 
schreiten vom Allgemeinen zum Besondern und von den Ideen zum 
Sinnliehen. Durch Induction erheben wir uns vom Concreten zum 
räbstiacten, durch die Deduction steigen wir vom Abstracten zum 
Concreten herab. Neben dieser Unterscheidung herlaufend sind 
gewisse Eigenschaften des Geistes, die mit äusserst wenigen Aus- 
nahmenrdas Zeitalter, die Nation oder das Individuum charakte- 
risiren, in dem eine dieser Methoden vorherrscht. Der inductive 
Philosoph ist von Natur vorsichtig, geduldig und etwas schleichenda 
Der deductive hingegen zeichnet sich eher durch seine Kühnheit, 
Geschicklichkeit und manchmal durch seine Tollkühnheit aus. Der 
deductive Denker nimmt immer gewisse Prämissen an, die weit 
von den Hypothesen verschieden sind, welche wesentlich zu der 
besten Art der Induction gehören. Die Prämissen sind bisweilen 
aus dem Alterthum entlehnt, bisweilen sind sie aus dem VorÄ 
stellungskreise, wie er in der umgebenden Gesellschaft herrscht, 
entnommen; bisweilen entspringen sie aus der eigenthümlichen 
Organisation des Mannes selbst, und bisweilen sind sie, wie wir 
gleich sehen werden, geflissentlich erfunden, mit der Absicht, nicht 
zur Wahrheit, sondern zu einer Annäherung an die Wahrheit zu 
gelangen. Endlich, um Alles zusammenzufassen, können wir sagen, 
die deductive Gewohnheit sei wesentlich synthetisch, und trachte 
daher die ursprünglichen Principien oder Gesetze zu vermehren; 
die inductive Gewohnheit hingegen trachte diese Gesetze durch 
allmahlige Analyse nach und nach zu vermindern. 
Da dies die beiden fundamentalen Abtheilungen der mensch- 
liehen Forschungsart sind, so ist es gewiss eine höchst merkwürdige 
Thatsache in der Geschichte von Schottland, dass während des
        

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