Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019189
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des Schott. 
Untersuchung 
Geistes 
sonst ganz unvereinbar mit einander scheinen würden. Sie deutet 
auch auf eine Aehnlichkeit mit Deutschland hin, wo ebenfalls die 
deductive Methode eine lange Zeit hindurch vorherrschend gewesen 
ist und ganz aus denselben Gründen. In beiden Ländern konnte 
die weltliche Bewegung des 18. Jahrhunderts nicht inductiv werden, 
und diese intellectuelle Verwandtschaft beider sonst so verschiedener 
Völker ist ohne Zweifel der Grund, weswegen die Schottischen 
und Deutschen Philosophen so merkwürdig auf einander gewirkt 
und zurückgewirkt haben; Kant und Hamilton sind die beiden 
vollendetsten Producte dieser Wechselwirkung. England bildet dazu 
einen vollkommenen Gegensatz. Während der letzten 150 Jahre 
nach Bac0's Tode waren die grösstcn Englischen Denker, mit 
Ausnahme Newton's und Harvey's, in hohem Grade inductiv; und 
erst im 1.9. Jahrhundert zeigten sich deutliche Spuren von einer 
Gegenbewegung, und wurde ein Versuch gemacht, auf gewisse 
Weise zu der deductiven Methode zurückzukehren. w) Dies zu 
thun sind wir in mancher Hinsieht berechtigt; denn in dem Fort- 
schritt unseres Wissens sind wir durch einen langen Verlauf des 
inductiven Verfahrens zu einer Menge Folgerungen gelangt, welche 
wir ohne Gefahr deductiv behandeln können, d. h. wir "können sie 
zu Vordersatzen neuer Schlüsse machen. Derselbe Hergang hat 
sich in Frankreich gezeigt, wo die ausschliesslich induetive Philo- 
sophie des lS. Jahrhunderts einer theilweisen Wiedererweckung 
der deductiven Philosophie im 19. Jahrhundert voraufging. In 
Schottland hingegen hat kein solcher Wechsel stattgefunden. Dort 
w) Ich habe dies schon berührt Bd. l, Abth. II, Kap, XIV, Anm. 131 etc. 
Später und in meiner speciellen Geschichte des Englischen Geistes werde ich es sorg- 
fältiger nnd mehr im Einzelnen untersuchen. Die Wiedererweckung der alten Logik 
ist ein bedeutendes Symptom davon. Werke, wie die von Whately, De Morgen und 
Manscl hätten im 18. Jahrhundert nicht entstehen können, oder wenn sie ja durch 
eine ausserordentliche Combination der Umstände hätten entstehen können, so würden 
sie keine Leser gefunden haben. Jetzt haben sie einen ausgebreiteten heilsamen Ein- 
iluss ausgeübt; und obgleich der Erzbischof Whately mit der Geschichte der formellen 
Logik nicht gehörig bekannt war, so ist doch seine Erläuterung ihrer gewöhnlichen 
Proceduren so bewundernswürdig klar, dass er wohl mehr als irgend jemand anders 
dazu beigetragen hat, seinen Zeitgenossen die Bedeutung des deducirenden Denkens klar 
zu machen. Er hat jedoch der entgegengesetzten Schule nicht hinlängliche Gerechtig- 
keit widerfahren lassen und ist wirklich in den alten akademischen Irrthum verfallen, 
dßSS 81188 Denken durch Schliessen (syllogistisch) vor sich gehe. Er hätte ebenso gut 
sagen können, alle Bewegung gehe nach Unten. B. (Vergl. Hegefs Logik Th. 3 und 
über Ursache und Wirkung, Th. 2. A. R.)
        

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