Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019127
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Untersuchung 
des 
Schott. 
Geistes 
mit der Erfahrung zu beginnen, sondern mit Principien, welche 
unerforschlich sein sollen, und welche wir ohne Weiteren Anstand 
zu glauben haben. Und ich brauche den Leser kaum daran zu 
erinnern, dass diese Philosophie, sobald sie bei uns eingeführt war, 
die kühnen Untersuchungen hervorbrachte, die bald zum Stürze 
der Englischen Kirche unter Karl I. führten. Von dieser furcht- 
baren Niederlage erholte sich unsere Geistlichkeit eine Zeitlang 
und theilweise; aber da ihr anscheinender Erfolg unter Karl 1I. 
sich von politischen Veränderungen herschrieb und nicht von 
socialen, so konnte sie ihre Herrschaft über die Gesellschaft nicht 
wiedergewinnen, und wenn die Nation nicht zurückgeht, so ist 
keine Möglichkeit da, dass sie sie je wiedererlangen sollte. Ueber 
Geister niederen Ranges übt die Geistlichkeit noch grossen Einfluss 
aus; aber die Baconische Philosophie hat durch den übeln Ruf, in 
den sie die Lieblingsmethode der Theologen gebracht, die Grund- 
lage ihres Systems untergraben. Von dem Augenblick an, wo die 
Art ihrer Untersuchung ihr Ansehen verlor, war das Geheirnniss 
ihrer Macht dahin. Von dem Augenblick, wo die Menschen zuerst 
darauf bestanden, die Haltbarkeit der ersten Principien zu unter- 
suchen, statt sie ohne Untersuchung hinzunehmen und sich ihnen 
in Deniuth als einer Sache der Religion und des nothwendigen 
Glaubens zu unterwerfen; von dem Augenblick an sind die Theo- 
logen von einem Posten zum andern getrieben und immer. vor dem 
Druck der vorrückenden Wissenschaft zurückweichend gezwungen 
werden, eine Schanze nach der andern zu verlassen; und was sie 
von ihrem vorigen Gebiete gerettet haben, ist kaum noch der Ver- 
theidigung werth. Als letztes Mittel beschlossen sie am Ende des 
18. Jahrhunderts die Waden ihrer Gegner zu gebrauchen; und 
Paley und seine Nachfolger erweiterten den Entwurf, den Ray und 
Derham schwach vorgezeichnet hatten, und suchten durch geschickte 
Anwendung der inductiven Methode ihre Partei für das Fehlschlagen 
der deductiven Methode zu entschädigen. Aber mit ihrem gescheidt 
gefassten Plane ist es zu nichts. gekommen. Es wird jetzt all- 
gemein zugegeben, dass sich nichts damit machen lässt und dass 
es unmöglich ist, die alten theologischen Voraussetzungen durch 
eine Reihe induetiver Raisonnements zu begründen. Darüber sind 
die ansgezeiehnetsten Philosophen mit den ausgezeichnetsten Theo- 
logen einig; und seit Kant in Deutschland und Coleridgc in Eng- 
land  ist keiner unserer bedeutendsten Männer selbst von der 
Geistlichkeit zu dem Plane zurückgekehrt, den Paley zwar kräftig
        

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