Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019111
Schott. 
Untersuchung des 
während 
Geistes 
des 
Jahrh. 
401 
erzeugte weltliche Philosophie eine inductive Gestalt an, legte 
individuelle und speeifische Erfahrung zum Grunde und suchte 
dadurch die allgemeinen traditionellen Begriffe, Worauf alle Kirchen- 
gewalt gegründet ist, umzustürzen. Der Plan war, dass man keine 
Principien annehmen wollte, welche nicht durch Thatsachen fest- 
gestellt werden konnten, während man nach der entgegengesetzten 
theologischen Methode die Thatsachen zwingt, den Principien zu 
weichen. In dem ersten Falle geht die Erfahrung der Theorie 
voran, in dem letzteren geht die Theorie der Erfahrung voran und 
beherrscht sie. In der Theologie werden gewisse Principien als 
ausgemacht angenommen; nun gilt es für gottlos, diese in Zweifel 
zu ziehen, und so bleibt uns nichts übrig, als von ihnen aus 
weiter fort zu schliessen. Dies ist die deductive Methode. Die in- 
ductive Methode andererseits will nichts zugestehen, sondern besteht 
darauf von unten nach oben zu schliessen, und verlangt für uns 
die Freiheit, die Principien selbst in Erfahrung zu bringen. In 
einem vollständigen System unserer Wissenschaft, und wenn alle 
unsere Hülfsmittel vollständig entwickel und, was am Ende ge- 
schehen muss, geordnet sein werden, sind beide Methoden nicht 
feindselig gegen einander, sondern ergänzen und verbinden sich 
zu einem und demselben Verfahren. Gegenwärtig sind wir jedoch 
von einem solchen Erfolge noch weit entfernt; und jeder Einzelne 
ist nicht nur zu einer Methode mehr als zu der andern aufgelegt, 
sondern wir finden auch historisch, dass verschiedene Zeitalter und 
verschiedene Länder sich durch das Maass, in Welchem eine dieser 
beiden Verfahrungsarten vorgeherrscht hat, charakterisiren lassen, 
und finden ferner, dass ein Studium dieses Gegensatzes der sicherste 
Weg zum Verständniss des intellectuellen Zustandes einer Periode ist. 
Dass die inductive Philosophie sich sogar mehr durch ihre 
weltlichen als durch ihre wissenschaftlichen Tendenzen auszeichnet, 
wird jedem einleuchten, der die Epochen beobachtet, wo sie am 
thätigsten war und die meisten Anhänger besass. Hiezu bietet die 
Geschichte des Französischen Geistes im I8. Jahrhundert ein gutes 
Beispiel. Dort können wir nach dem Tode Ludwigs XIV. die 
Verbindung zwischen dem Gedeihen der inductiven Methode und 
dem darauf folgenden Umsturz der gallieanischen Kirche deutlich 
verfolgen. Ebenso war in England das Aufkommen der Baconi- 
sehen Philosophie mit ihrer Bestimmung, die alten Grundsätze der 
neuen Erfahrung zu unterwerfen, der schwerste Schlag, der den 
Theologen je beigebracht worden ist, deren Methode es ist, nicht 
Buckle, Gesch. d. (Zivilisation. II. 26
        

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