Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019038
während des 
17. Jahrh_ 
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seine abschreckendsten Züge verschleiert, und er muss seine an- 
geborene Hässlichkeit verhüllen. Bei unserer Geistlichkeit ist ein 
ernstes und anständiges- Abkommen zur Sitte geworden und an 
die Stelle des kühnen und feurigen Krieges getreten, den ihre 
Vorfahren gegen eine sinnliche und in Finsterniss lebende Welt 
führten. Ihre Drohungen haben sichtlich abgenommen, sie erlauben 
uns jetzt ein wenig Vergnügen, ein wenig Luxus und ein wenig 
Glück. Sie sagen uns nicht mehr, wir müssten jede Lust ersticken 
und jedes Behagen entbehren. Die Sprache der Autorität ist ihnen 
abhanden gekommen, hie und da ünden wir noch Spuren des 
alten Geistes, aber nur wenn sie unter Ungebildeten sind und zu 
einer unwissenden Versammlung sprechen. Die höhere Geistlich- 
keit, die einen Rang zu verlieren hat, ist vorsichtig geworden. 
.Und was die Herren auch im Stillen denken mögen, sie wagen 
es selten, jene furchtbaren Anklagen zu erheben, von denen ihre 
Kanzeln einst ertönten, vor denen in alten Zeiten das Volk ängst- 
lich zusammenschrak, und die alle erniedrigten ausser dem Einen, 
der diese Anklagen ausstiess. Zwar ist Vieles davon verschwunden, 
aber es ist noch genug übrig geblieben, um uns zu zeigen, was 
der theologische Geist ist, und zu dem Glauben zu berechtigen, 
dass nichts als der Druck der öffentlichen Meinung ihn daran 
verhindert, in die frühere Ausschweifung auszubrechen. Viele von 
der Geistlichkeit bleiben dabei, die Lüste dieser Welt anzugreifen; 
sie vergessen, dass nicht nur die Welt, sondern Alles was sie 
enthält, das Werk des Allmächtigen ist, und dass die Triebe und 
Begierden, welche sie als ünheilig brandmarken, einen Theil der 
Gaben bilden, die er den Menschen gegeben. Sie haben noch erst 
zu lernen, dass unsere Begierden eben so gut zu uns gehören als 
jede andere Leidenschaft die wir besitzen, und dass sie entwickelt 
werden müssen, wenn das ganze Individuum sich entwickeln soll. 
Wenn ein Mensch einen Theil seines Wesens unterdrückt, so wird 
er gelähmt und verstümmelt. Die richtige Grenze unserer Triebe 
ist die, dass wir weder uns noch andern damit schaden. Bis zu 
dieser Grenze ist Alles erlaubt. Wer sich der gefahrlosen und 
mässigen Befriedigung der Sinnlichkeit enthält, lässt einen Theil 
seiner wesentlichen Kräfte ausser Uebung kommen, und muss daher 
für unvollkommen und unvollendet gelten. Einem Solchen fehlt etwas, 
er ist verkrüppelt, er hat nie seine volle Ausbildung erreicht, E1- 
Inag ein Mönch sein, er mag ein Heiliger sein, aber ein Mensch 
ist er nicht, und wir brauchen jetzt mehr als je wahre und. echte
        

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