Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019021
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des 
Untersuchung 
Schott. 
Geistes 
ihre Gründe und die Zeugnisse, welche sie beibringen, studirt 
haben. Hierüber brauche ich mich jedoch nicht weiter zu ver- 
breiten, denn so wie die Menschen fast jedes Jahr und sicherlich 
jede Generation sich mehr an scharfes und genaues Denken ge- 
wöhnen, gerade in demselben Verhältniss verbreitet sich die Ueber- 
Zeugung, dass die Theologen von willkürlichen Annahmen ausgehen, 
für die sie keinen anderen Beweis, als wieder neue Annahmen 
haben, die eben so willkürlich und eben so unbewiesen sind. Das 
ganze System beruht auf Furcht, und auf einer Furcht von der 
schlimmsten Sorte, denn nach ihnen hat der grosse Urheber unseres 
Daseins seine Allmacht auf eine so grausame Weise benutzt, dass 
er scineiGeschöpfe mit Neigungen, Instinkten und Wünschen aus- 
gestattet hat, deren Befriedigung er ihnen nicht nur verbietet, 
sondern die sie auch der ewigen Strafe über-liefern sollen. 
jWas die Theologen für die Studirstube sind, das sind die 
Priester für die Kanzel. Die Theologen wirken auf die fleissigen 
Gelehrten, die lesen; die Priester auf die Müssigen, die ihnen zu- 
hören. Wenn wir jedoch bedenken, dass ein und derselbe Mann 
oft beide Geschäfte versieht, und dass noch dazu der Geist und 
die Absicht beider Geschäfte die nämlichen sind, so dürfen wir in 
praktischer Hinsicht beide Klassen als eine betrachten, und beide 
zusammen und im Ganzen genommen sind, das wird jeder zugeben, 
der einen umfassendenBlick auf das wirft, was sie wirklich gethan 
haben, nicht nur die bittersten Feinde menschlicher Glückseligkeit 
gewesen", sondern haben auch in ihrer Feindschaft den grössten 
Erfolg gehabt. In ihren glücklichen Tagen, als sie obenauf waren, 
als sie die unbestrittene Herrschaft in Händen hatten, als Leicht- 
gläubigkeit allgemein und Zweifel unbekannt war, brachten" sie 
alles mögliche Elend über die Menschheit. "Sie liessen Fasten, 
Büssungen und. Pilgerfahrten halten, lehrten ihre einfältigen und 
unwissenden Opfer alle Arten von Kasteiungen, sich selbst zu 
geisseln, sich selbst zu zerfleischen und ihre natürlichsten Neigungen 
zu ersticken. Dies war_ der Zustand Europas im Mittelalter. 
Es ist noch der Zustand jedes Landes in der Welt, wo die 
Priesterschaft obenauf ist. Solche ascetische und selbstquäle- 
rische Gebräuche sind die unvermeidliche Frucht des theologischen 
Geistes," wo dieser ungezügelt ist. Jetzt verliert er wegen des 
raschen Fortschritts unserer Wissenschaft fortdauernd Boden, der 
wissenschaftliche und weltliche Geist bricht in sein Reich ein. 
Deswegen sind in unserer Zeit und besonders in unserem Lande
        

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