Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019017
während des 
Jahrh. 
391 
Wenn wir daher die Geschichte der Theorien in Verbindung 
mit der Geschichte der Handlungen überblicken, so können wir 
wohl sagen, dass die ascetischen Ansichten der Philosophen, z. B. 
die Lehre der Stoiker und ähnliche Theorien der Kasteiung nicht 
den Schaden angestiftet haben, den man von ihnen hätte erwarten 
sollen, und dass es ihnen nicht gelungen ist, in einem fühlbaren 
Grade der Menschheit ihre wesentliche Glückseligkeit zu verkürzen. 
Ich halte dafür, dass ihnen dies aus zwei Gründen misslungen ist. 
Zuerst haben diese Philosophen fast ohne Ausnahme wenig reelle 
Kenntniss von der menschlichen Natur gehabt, undesind deswegen 
nicht im Stande gewesen die Saiten anzuschlagen und sich an die 
geheimen Triebe zu wenden, durch deren Berührung ein Mensch 
einen andern auf seine Seite bringt. Und zweitens sind sie zum 
Glück für uns nie in der Gewalt gewesen, und haben daher ihre 
Lehren weder durch Strafen aufnöthigen, noch durch Belohnungen 
empfehlen können. 
Obwohl es nun den Philosophen nicht gelungen ist, der 
Menschheit ihre Freuden zu verkürzen, so hat doch eine, andere 
Klasse von Menschen denselben Versuch mit grösserem Erfolge 
gemacht. Ich meine natürlich die Theologen. Als Stand haben 
sie in allen Ländern und zu allen Zeiten sich geflissentlich den 
Annehmlichkeiten widersetzt, welche der überwiegenden Mehrheit 
des Menschengeschlechts zu ihrem Glücke von wesentlicher Be- 
deutung sind. Sie stellen einen Gott auf, den sie selbst geschaffen 
haben und den sie für einen Freund der Büssung, der Aufopferung 
und der Kasteiung ausgeben, um dies dann zum Vorwande zu 
nehmen, Genüsse zu verbieten, die nicht nur unschuldig, sondern 
sogar lobenswerth sind. Denn jeder Genuss, der Niemandem 
schädlich wird, ist unschuldig, und jeder unschuldige Genuss ist 
ein löblicher, weil er dazu mitwirkt, den Geist der Zufriedenheit 
und des Wohlbehagens zu verbreiten, welcher die gute Gesinnung 
und die Wohlthätigkeit gegen Andere befördert. Die Theologen 
hingegen pflegen aus Gründen, die ich schon angeführt habe, einen 
entgegengesetzten Geist, und so oft sie die Gewalt in Händen 
hatten, haben sie immer eine grosse Menge heiterer Genüsse aus 
dem Grunde, dass solche Handlungen der Gottheit missfällig wären, 
verboten. Dass sie hierzu nicht berechtigt sind und sich nur ab- 
sprechenden Versicherungen über Gegenstände überlassen, hin- 
sichtlich derer wir keine glaubwürdige Kunde besitzen, ist Allen 
bekannt genug, die unparteiisch und ohne vorgefasste Neigung
        

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