Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019004
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Schott. 
Untersuchung des 
Geistes 
durch kühne und furchtlose Ausübung ihrer Hauptverrichtungen. 
Diese sind von zweierlei Art: die eine vermehrt das Glück des 
Geistes, die andere das körperliche Wohlsein. Wenn wir uns einen 
vollkommenen Menschen vorstellen wollen, so müssen wir annehmen, 
dass er beide Formen der Glückseligkeit im höchsten Grade in sich 
vereinige und aus seinem Körper und aus seinem Geiste jeden Genuss 
entnehme, der mit seinem Wohl und mit dem Wohl Anderer bestehen 
kann. Da sich ein solches Ideal aber nicht voriindet, so ereignet es 
sich fortdauernd, dass selbst die Weisesten unter uns das Gleich- 
gewicht nicht aufrecht zu erhalten vermögen, und wir fehlen, theils 
indem wir dem Körper, theils indem wir dem Geiste zu viel nach- 
geben. Wenn wir beide Arten der Befriedigung mit einander ver- 
gleichen, so leidet es keinen Zweifel, dass die intellectuellen Ver- 
gnügungen in mancher Hinsicht über den physischen stehen; sie 
sind zahlreicher, vielfältiger, dauernder und veredeln uns mehr; 
sie werden dem Einzelnen Weniger leicht zum Ueberdruss und 
bringen mehr Gutes für das Menschengeschlechthervor. Aber für 
Einen, der intellectueller Genüsse fähig ist, giebt es mindestens 
hundert, die physischer Genüsse fähig sind. Das Glück sinnlicher 
Genüsse breitet sich also über ein grösseres Feld aus und be- 
friedigt in einem gegebenen Zeitpunkte eine grössere Anzahl Per- 
sonen, als es die andere Form des Genusses vermag, besitzt daher 
eine Bedeutung, welche Viele, die sich Philosophen nennen, nicht 
anzuerkennen geneigt sind. Nur zu oft haben philosophische und 
speculative Denker durch eine thörichte Verwerfung solcher Ver- 
gnügungen Alles gethan, was in ihrer Macht stand, das Maass des 
Glücks, dessen die Menschheit fähig ist, zu verkürzen. Diese 
Schriftsteller vergessen, dass wir so gut Körper als Seelen haben, 
und vergessen ebenfalls, dass in der bei weitem grössten Mehrheit 
von Fällen der Körper mehr als der Geist in Thätigkeit ist, dass 
er mächtiger ist, dass er eine augenfalligere Rolle spielt und zu 
grösseren Thaten sich eignet; und darum begehen sie den unge- 
heuren, Irrthurn, die Klasse von Handlungen zu verachten, zu der 
99 Menschen aus jedem Hundert am aufgelegtesten und am ge- 
schicktesten sind. Und weil sie diesen Irrthum begehen, so werden 
sie damit bestraft, dass ihre Bücher nicht gelesen, ihre Systeme 
nicht beachtet und ihre Lebensart vielleicht von wenigen einsamen 
Gelehrten angenommen wird, von der grossen Welt der Wirk- 
lichkeit aber ausgeschlossen bleibt, weil sie sich für diese nicht 
eignet und in ihr das ernstlichste Unheil anrichten würde.
        

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