Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018667
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Schott. 
des 
Untersuchung 
Geistes 
des menschlichen Geistes von einem grossen, wenn gleich traurigen 
Interesse. Ich werde mich daher _nicht entschuldigen, wenn ich 
in dieser Sache noch weiter ins Einzelne gehe, und hoffe den 
Leser in Besitz von Thatsaehen zu setzen, welche die vergangene 
Geschichte von Schottland mit seinem gegenwärtigen Zustande in 
Verbindung bringen und ihn darüber aufklären werden, warum 
ein so bedeutendes Volk in mancher Hinsicht noch mit der Fin- 
sterniss kämpft, blos weil es noch unter dem Schatten jener langen 
furchtbaren Nacht lebt, welche das Land länger als ein Jahrhundert 
hindurch bedeckte. Es wird sich auch zeigen, dass die Härte und 
das Mürrisehe in ihrem Charakter, ihr Mangel an Heiterkeit und 
ihre Gleichgültigkeit gegen viele Genüsse des Lebens sich auf die- 
selbe Quelle zurückführen lassen und das Erzeugniss der düstern 
und ascetischen Ansichten sind, welche ihnen ihre Religionslehrei- 
eingeprägt haben. Denn in diesem wie in jedem andern Zeitalter 
zeigten sich die Priester, so wie sie im Besitz der Gewalt waren, 
als harte und gefühllose Herren. Sie hielten das Volk in einer 
Sklaverei, ärger als die ägyptische; denn sie unterjochten den 
Geist sowohl als den Leib, und raubten den Menschen nicht nur 
unschuldige Vergnügungen, sondern lehrten sie auch diese Ver- 
gnügungen als sündig betrachten. Und so gründlich haben sie ihre 
Arbeit gethan, dass noch nach 150 Jahren, die seit dem Anfange 
des Verfalls ihrer Gewalt vertlossen sind, das Gepräge ihrer Hände 
überall sichtbar ist. Das Volk der Schotten trägt noch immer die 
Maale ihrer Geissel, das Andenken seiner früheren Knechtschaft 
lebt im Volke und die Menschen kriechen vor ihren Priestern, wie 
sie vor Alters thaten, geben ihre Rechte preis, opfern ihre Unab- 
hängigkeit auf und überlassen ihr Gewissen der Willkür einer un- 
duldsamen und ehrgeizigen Priesterschaft. 
Von allen Mitteln der Einschüchterung, welche die Schottischen 
Geistlichen anwandten, war keins wirksamer als die Lehre von 
bösen Geistern und künftigen Strafen, die sie predigten. Sie 
äusserten fortdauernd die schreckliehsten Drohungen dieser Art. 
Ihre Sprache war darauf berechnet, die Menschen vor Furcht wahn- 
sinnig zu machen und zur tiefsten Verzweiiiung zu treiben. Dass 
sie oft so wirkte und die verderblichsten Folgen hervorbrachte, 
werden wir sogleich sehen. Und weil dies vollständig mit andern 
düstern und ascetischen Begriffen, welche die Priester einprägten, 
übereinstimmte, nach denen Vergnügungen für sündhaft und Leiden 
für fromm galten, so war diese Sprache nur um so wirksamer.
        

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