Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018443
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Untersuchung des 
Schott. 
Geistes 
Und dies ist bei dem religiösen Enthusiasmus der Zeit gar nicht 
unglaublich. Denn damals fand das. Volk ein Vergnügen an der 
ermattendsten und quälendsten Andacht." So z. B. stellten sie es 
1653 bei Austheilung des Abendmahls tolgendermaassen an: Am 
Mittwoch fasteten sie und hörten langer als acht Stunden Gebete 
und Predigten an; am Sonnabend" hörten sie 2 oder 3 Predigten, 
und-am Sonntage war die Anzahl der Predigten so gross, dass 
sie über 12 Stunden in der Kirche blieben; und dann zum Schluss 
des Ganzen Wurden am Montage noch 3 oder 4 Predigten gehalten, 
als Danksagung. 24) Ein solcher Eifer und doch so viel Geduld 
zeigen uns einen ganz eigenthümlichen Zustand der Gesellschaft; 
wir finden nichts Aehnliches in der Geschichte irgend eines civili- 
sirten Landes. Dieser heisse Wunsch, zu hören was ihre Prediger 
nur irgend zu sagen hätten, war an sich schon eine höchst 
schmeichelhafte Huldigung und wurde natürlich von dem Glauben 
begleitet, dass sie mit einem Lichte begabt seien, welches ihren 
weniger begünstigten Landsleuten vorenthalten bliebe. Es kann 
uns nicht überraschen, dass die Geistlichen sich zu keiner Zeit 
und in keinem Volk durch ihre Demuth oder durch Mangel an 
Selbstvertrauen ausgezeichnet haben, unter Umständen, die ihren 
Anmaassungen so überaus günstig waren, etwas übermüthig wurden 
und selbst eine Macht in Anspruch nahmen, die über das Maass 
hinausging, welches man ihnen zugestand. Und da dies genau 
mit der folgenden Geschichte von Schottland in Verbindung steht, 
so müssen wir einige Nachrichten über ihr Betragen sammeln. 
Dies wird dann noch den weiteren Nutzen haben, den wahren 
Charakter der geistlichen Herrschaft ins Licht zu stellen und zu 
zeigen, wie sie nicht nur auf das intellectuelle, sondern auch auf 
das praktische Leben einesVolkes wirkt. 
Nach der presbyterianischen Verfassung, welche im 17. Jahr- 
hundert ihre Höhe erreichte, wählte der Prediger des Kirchspiels 
eine gewisse Anzahl Laien, auf die er sich verlassen konnte und 
die unter dem Namen der Aeltesten seine Rathgeber oder vielmehr 
24) „But where the greatest part was more sound, they gave the sacrament with 
a new und unusual solemnity. On tlfe Wednesday before, they held a fast day, with 
prayers und sermons for about eight or ten hours together: on the Saturday they had 
two or fhree preparatiou sermons: und on the Lord's day they had so very many, that 
the actilon continued above twelve hours in some places: aud all ended with three or 
four sermons on Monday for thanksgiving." Burnefs Hislory of bis 011m Time, I, 108,
        

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