Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018320
322 
Untersuchung 
des 
Schott. 
Geistes 
Despotismus rettete. Aber die nämlichen Verhältnisse, welche das 
Volk vor politischem Despotismus bewahrten, setzten es um so 
mehr dem geistlichen Despotismus aus. Denn da die Menschen 
sich auf Niemand als auf ihre Prediger verlassen konnten, so ver- 
liessen sie sich ganz und in allen Dingen auf sie. Die Geistlichen 
wurden allmählig Herren nicht nur in geistlichen, sondern auch in 
weltlichen Angelegenheiten. Am. Ausgänge des 16. Jahrhunderts 
waren sie froh gewesen, dass sie sich unter das Volk flüchten 
konnten; vor der Mitte des 17. Jahrhunderts beherrschten sie das 
Volk. Wie schniählich sie ihre Macht missbrauchten, wie sie die 
ärgste Art des Aberglaubens beförderten und dadurch das Reich 
der Unwissenheit verlängerten und den Fortschritt der Gesellschaft 
hemmten, wird im Verlaufe dieses Kapitels erzählt werden; um 
aber gerecht gegen sie zu sein, müssen wir zugeben, dass die 
religiöse Knechtschaft, worin die Schotten während des 17. Jahr- 
hunderts verfielen, im Ganzen eine freiwillige war, und dass, so 
schädlich sie war, sie wenigstens einen edlen Ursprung hatte, da 
die Macht des protestantischen Clerus vornehmlich der Furcht- 
losigkeit zugeschrieben werden muss, mit der er sich an die 
Spitze des Volks stellte, zu einer Zeit, wo diese Stelle gefahrvoll 
und" die höhern Klassen bereit waren, sich mit der Krone zur 
Vernichtung der letzten Spuren der Volksfreiheit zu verbinden. 
Die Wirksamkeit dieser Ursache des Schottischen Aberglaubens 
nachzuweisen, wird das Geschäft des vorliegenden Kapitels sein, 
während ich in dem folgenden, dem Schlusskapitel, die andere 
Ursache prüfen werde, die ich bis jetzt noch kaum erwähnt habe. 
Diese Untersuchung wird einige Betrachtungen über die Philosophie 
der Methode mit enthalten, die nur noch unvollkommen bei uns 
gewürdigt wird, und über die die Geschichte des Schottischen 
Geistes viel Licht verbreiten wird. Denn es wird sich zeigen, 
dass während des 18. Jahrhunderts die bedeutendsten Schotten 
fast ohne Ausnahme bei der Untersuchung der Wahrheit eine 
Methode anwandten, welche sie von der Theilnahme ihrer Lands- 
leute abschnitt und ihre Werke verhinderte, den Eindruck zu 
machen, den sie sonst wohl gemacht haben möchten. Es wurde also 
wirklich eine sehr skeptische Literatur hervorgebracht, ohne dass 
der Skepticismus Fortschritte machte und ohne dass der Aberglaube 
dadurch vermindert worden wäre. Hochgebildete Geister wurden 
Wohl davon berührt, aber sie bildeten eine abgeschlossene Klasse 
und zwischen ihnen und dem Volke gab es keine Vermittelung.
        

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