Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018269
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Zustand von 
Schottland 
wie Georg Buchanan, David Hume und Adam Smith, lässt sich 
durch einige Schreier und unwissende Priester einschüchtern, giebt 
ihnen eine Freiheit und zollt ihnen eine Unterwürligkeit, die eine 
Schmach für das Zeitalter und mit den gewöhnlichsten Begrifen 
von Freiheit unvereinbar sind. Ein Volk, welches in vieler Hin- 
sicht sehr fortgeschritten ist und über politische Gegenstände sehr 
aufgeklärte Ansichten hegt, ent-wiekelt in religiösen Dingen eine 
Kleinheit des Geistes, eine Unduldsamkeit der Gesinnung, eine 
Hilze des Temperaments und eine Sucht zur Verfolgung Anderer, 
welche beweist, dass der Protestantismus, dessen es sich rühmt, 
ihm nichts genützt hat, dass er das Volk in den wichtigsten 
Dingen so beschränkt gelassen hat, als er es vorfand, und dass 
er nicht im Stande gewesen es von Vorurtheilen zu befreien, die 
es zum Gelächter Europas machen, ja die den Namen der Schot- 
tisehen Kirche zum Sprüchwort und zum Schimpf bei allen Männern 
von Bildung gestempelt haben.  
Ich will es nun zu erklären suchen, wie dies Alles entstand 
und wie scheinbar so unverträgliche Dinge zu vereinbaren sind. 
Dass sie zu vereinbaren sind und dass die Unverträglichkeit nur 
scheinbar, nicht eine reelle ist, wird sogleich jeder zugeben, der 
überhaupt einer wissenschaftlichen Auffassung der Geschichte fähig 
ist. Denn in der sittlichen sowohl als in der physischen Welt 
giebt es nichts Anomales, nichts Unnatürliches, nichts Sonderbares. 
Alles ist Ordnung, Gleiehmaass und Gesetz. Es giebt Gegensätze, 
aber keine starren Widersprüche. lm Charakter einer Nation ist 
Mangel an Folgerichtigkeit unmöglich. So sehr ist jedoch der 
menschliche Geist noch zurück, und mit so verderbtem und vor- 
urtheilsvollem Blick treten wir an die grössten Probleme heran, 
dass nicht nur gewöhnliche Schriftsteller, sondern selbst Männer, 
von denen man Besseres hätte erwarten sollen, in diesem Punkt 
beständiger Verwirrung ausgesetzt sind und sich und ihre Leser 
mit ihrem Gerede von Abnormitäten verblüifen, als wären sie eine 
Eigenschaft des Gegenstandes ihrer Untersuchung, statt, wie es 
in Wahrheit der Fall ist, nur das Maass ihrer eigenen Unwissenheit 
zu sein. Es ist das Geschäft des Historikers, diese Unwissenheit 
Zu beseitigen durch den Nachweis, dass die Bewegungen der 
Nationen vollkommen regelmässig und, wie alle andern Bewegungen, 
lediglich durch ihre Antecedenzien bestimmbar sind. Wenn er dies 
nißht 11111111 kann, so ist er kein Historiker. Er mag ein Annalist, 
ein Biograph, ein Chronikenschreiber sein, aber höher kann er
        

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