Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018244
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Zustand 
VOTJ. 
Schottland 
Thaten der Schotten im 18. Jahrhundert auf eine ihrer Wichtigkeit 
angemessene Weise zu erzählen, würde eine eigene Abhandlung 
erfordern, und ich kann mich hier nicht einmal aufhalten zu er- 
wähnen, was alle Gebildeten zum Mindesten theilweise wissen, da 
jeder den Werth dessen, was für seine Wissenschaft gethan Werden 
ist, anerkennt._ In dem letzten Kapitel dieses Bandes will ich 
jedoch versuchen, von dem Ergebniss im Allgemeinen und im 
Ganzen einen Begriff zu geben; hier genüge so viel, dass dieses 
einst arme und unwissende Volk in jedem Falle originelle und 
bedeutende Denker hervorbrachte. Was dies um so merkwürdiger 
macht, ist sein entschiedener Gegensatz zu dem früheren Zustande 
dieses Volks. Bis zum Anfange des 18. Jahrhunderts herab konnte 
Schottland sich nur zweier Schriftsteller rühmen, deren Werke 
der Menschheit genutzt haben. Es waren Buchanan und Napier. 
Buchanan war der erste politische Schriftsteller, Welcher genau 
bestimmte Ansichten über die Regierung des Staats hatte und das 
wahre Verhältniss zwischen Volk und Regierung deutlich und 
bestimmt aufstellte? Er begründete die Rechte des Volks auf 
sicherer Unterlage und rechtfertigte im Voraus alle folgenden 
Revolutionen. Napier, der eben so kühn in einem andern Fache 
war, gelangte durch eine gewaltige Anstrengung seines Geistes 
zu der Entdeckung und zur vollen Entwickelung eines Gesetzes 
über die Progression der Zahlen, welches so einfach und doch so 
mächtig ist, dass es die abschreckendsten und verwickeltsten 
Rechnungen auflöst, und so eine bedeutende Kopfanstrengung und 
eine unberechenbare Zeitverschwendung gespart hat. Beide waren 
wirklich grosse Wohlthäter des Menschengeschlechts; aber sie stehen 
allein, und wenn alle andern Schriftsteller, die Schottland bis zum 
Schluss des 17. Jahrhunderts hervorgebracht, nie geboren worden 
wären oder wenigstens nicht geschrieben hätten, so hätte die 
menschliche Gesellschaft nichts verloren, sondern wäre genau in 
derselben Lage, wie sie jetzt ist. 
uJedoch im Anfange des 18. Jahrhunderts machte sich eine 
Bewegung über ganz Europa fühlbar, und an dieser Bewegung 
nahm Schottland Theil. Ein Geist der Untersuchung, so allgemein 
und so eifrig, war zum Vorschein gekommen, dass sich kein Volk 
seiner Einwirkung gänzlich entziehen konnte. Lebhafte Menschen 
waren in Aufregung und selbst langsamere fühlten sich angeregt. 
Es schien als wenn eine lange Nacht zum Abschluss kommen wolle. 
Licht brach hervor, wo vorher nichts als Finsterniss gewesen.
        

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