Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1018096
und 
J ahrh. 
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treu. Aber im Ganzen leidet es keinen Zweifel, dass in Nieder- 
Schottland vor der Mitte des 18. Jahrhunderts die Bande der Zu- 
neigung aufgelöst waren, welche in früheren Zeiten die Schotten 
zu Zehntausenden bewogen hatten, ihren Vorgesetzten in jeder 
Sache zu folgen und auf einen Wink ihr Leben für sie zu opfern. 
Der Geist, den man einst für feurig und edelmiithig gehalten, der 
sich aber bei tieferer Untersuchung als nieder-trächtig und sklavisch 
ausweist, war jetzt fast erloschen, ausser bei den barbarischen 
Bergschotten, deren Unwissenheit in den Geschäften sie lange von 
dem Einfluss des Stroms der Begebenheiten aussehloss. Dass die 
nächste Ursache dieser Veränderung die Union war, wird wohl 
Niemand leugnen, der die Geschichte dieser Zeit genau studirt 
hat, und dass die Veränderung wohlthätig war, kann nur von den 
sentimentalen 'l'raumern bezweifelt werden, denen das Leben mehr 
eine Sache des Gefühls alstdes Denkens ist „ und die reelle und 
handgreifliche Interessen verachten, ihrem eigenen Zeitalter sein 
materielles Gedeihen und seine Liebe zum Luxus vorwerfen, als 
wenn dies Folgen niedriger und schmutziger Wünsche wären, die 
der höheren Stimmung vergangener Tage unbekannt gewesen. 
Phantasten dieser Art mag es wohl so vorkommen, als bilde der 
barbarische und unwissende lildelrnann, den ein Schwarm von 
ergebenen Hintersassen umringte, und der mit roher Einfachheit 
in seinem elenden düstern Schlosse wohnte, ein schönes Gemälde 
jener uneigennützigen-und nicht rechnenden Zeiten, WO die Men- 
schen, statt Kenntnisse oder Wohlstand oder Bequemlichkeit zu 
suchen, mit der frugalen Einfalt ihrer Väter zufrieden Waren, und 
wo von dem einen Stande der Schutz gewährt, von dem andern 
die Dankbarkeit gefühlt und daher die Rangordnung in der Gesell- 
schaft aufrecht erhalten und ihre verschiedenen Elemente durch 
Sympathie verbunden und durch die Gewalt gemeinsamer Gemüths- 
bewegungen statt wie jetzt durch rohe Maximen eines gemeinen 
und selbstsüchtigen Nutzens zusammengehalten wurden. 
Wer jedoch durch die Wissenschaft einige Bekanntschaft mit 
dem wahren Verlauf menschlicher Dinge erlangt hat, wird sehen, 
dass in Schottland wie in jedem andern oivilisirten Lande der 
Verfall der Adelsmacht wesentlich zum allgemeinen Fortschritt ge- 
hört. Man muss es daher als ein Glück betrachten, dass diese 
Macht, welche bei den Schotten immer übergross gewesen war, 
im 18. Jahrhundert nicht nur durch allgemeine Ursachen, wie sie 
überall in Thatigkeit waren, sondern auch durch zwei geringere
        

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