Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1017197
im 
und 
Jahrh. 
209 
Bei einer solchen Gestaltung der Parteien in einem Lande, 
wo es keine Mittelklasse gab und das Volk für nichts zu rechnen 
war, sondern folgte, Wohin es immer geführt wurde, war offenbar 
der Erfolg oder das Fehlschlagen der Reformation in Schottland 
einfach die Frage, ob der Adel Erfolg haben oder unterliegen 
Werde. Die Adeligen waren erpicht auf Rache, und es war nur 
zweifelhaft, ob-sie stark genug wären, sie zu befriedigen. Sie 
hatten die Krone und die Kirche gegen sich. Auf ihrer Seite 
hatten sie die feudalen Uebcrlieferungen, den Geist des Klans- 
wesens, den unterthänigen Gehorsam ihrer unzähligen Hintersassen, 
und was eben so wichtig war, die Verehrung für Namen und 
Familienverbindungen, wodurch Schottland sich noch auszeichnet, 
und die im 16. Jahrhundert einen Einfluss besassen, den man 
nicht leicht überschätzen kann. 
Der Augenblick zum Handeln war nun gekommen. Im Jahre 
1540 erliess die Regierung, die ganz in der Hand des Clerus war, 
neue Gesetze gegen die Protestanten, und ihre Interessen waren 
jetzt schon mit denen der Adeligen identisch. Nach diesen Gesetzen 
konnte künftig keiner, wenn er auch nur der Ketzerei verdächtig 
war, ein Amt bekleiden, und es wurde allen Katholiken untersagt, 
Personen, welche die neuen Ansichten theilten, zu beherbergen 
oder zu begünstigenß") Der Clerus, durch seinen Sieg berauscht 
Jahre 1555 über "lige" und „bandis cf menrent and muntenance." (Drei Ausdrücke 
für Schutz- und Trutzbiindnisse der Grossen untereinander) in den Acts of tlw Par- 
liaments qf Saarland, folio, 1814, II, 50, 495. Da. solche Gesetzerlasse gegen den Geist 
der Zeit und die Bedürfnisse der Gesellschaft liefen, so hatten sie auf die allgemeine 
Praxis keinen Einüuss, obwohl sie die Bestrafung verschiedener Einzelnen nach sich 
zogen. Manrent (Znzugsbündnisse) war noch häufig bis gegen 1620 oder 1630, wo die 
grosse sociale Revolution sich vollzog, wodurch die Macht der Aristokratie der der 
Kirche unterworfen ward. Alsdann bewirkte die Aenderung der Angelegenheiten ohne 
Schwierigkeit und sogar aus freien Stücken, was die Gesetzgebung vergebens unter- 
nommen hatte. Der Adel sank allmälig zur Unbedcutendheit herab, verlor seinen 
Geist und griff nicht mehr zu den Hülfsmitteln, wodurch er seinen Stand lange auf- 
recht erhalten hatte. Bonds of manrent, Zuzugsbündnisse, wurden von Jahr zu Jahr 
seltener, und es ist zweifelhaft, ob sich irgend ein Beispiel davon nach 1661 findet. 
Siehe Olmlmeräs Oaledonia, III, 32, 33. Es ist jedoch so gefährlich eine solche Ver- 
neinung auszusprechen, dass ich mich nicht auf diese Angabe Verlassen Illößhte, es 
mag noch einige neuereFälle geben; es werden aber nur sehr wenige sein, und im 
Allgemeinen ist es damit sicherlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts zu Ende ge- 
kommen. 
6') Acta of the Pa1'lz'a1nents_qf' Scatland, lI, 370, 371. „That nn man quhatsüeuir 
Stait or conditiouü he be luge resseuve cherish nor fevor ony heretike."     „Aud 
Buckle, Gesch. d. Civillsatlon. II. 14
        

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