Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1016985
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VOXI 
Zustand 
Schottland 
160 Jahre gedauert hatte, kam er 1560 zum Abschluss durch 
den Triumph der Aristokratie und den Umsturz der Kirche. Mit 
einer solchen Gewalt hatten aber die Verhältnisse, die ich eben 
erzählt, den Aberglauben in den Charakter der Schotten eingeätzt, 
dass der geistliche Stand sich schnell wieder erholte, und die 
Priester unter dem neuen Namen der Protestanten eben so furcht- 
bar wurden, als sie unter ihrem alten Namen als Katholiken 
gewesen waren. 43 Jahre nach der Einführung der Reformation 
in Schottland bestieg Jacob VI. den Thron von England und 
konnte die Macht des südlichen Theiles von Schottland gegen die 
widerspenstigen Barone des Nordens aufbieten. Von diesem Augen- 
blick an ging die Schottische Aristokratie ihrem Untergange ent- 
gegen; dadurch war das Gleichgewicht dem Clerus gegenüber auf- 
gehoben und die Kirche wurde so mächtig, dass sie Während des 
17. und 18. Jahrhunderts das wirksamste Hinderniss gegen den 
Fortschritt Schottlands bildete; ja, noch heutiges Tages übt sie eine 
Herrschaft aus, welche denen unbegreiflich ist, die nicht die ganze 
Kette von Antecedenzien sorgfältig studirt haben. Den langen 
Verlauf der Angelegenheiten, welcher zu diesem unglücklichen 
Ergebniss geführt hat, ins Einzelne hinein zu verfolgen, würde 
mit dem Zweck einer Einleitung, welche nur weitgreifende und 
allgemeine Prinzipien aufstellen soll, unverträglich sein. Um aber 
die Frage klar vor die Seele des Lesers zu bringen, wird es nöthig 
sein, eine fiüchtige Skizze der Beziehung des Adels zu der Geist- 
lichkeit im 15. und 16. Jahrhundert zu geben und zu zeigen, wie 
die Stellung beider gegen einander und ihr unversöhnlicher Hass 
die Reformation zu Wege brachte. Hieraus werden wir sehen, 
dass die grosse protestantische Bewegung, welche in andern 
Ländern demokratisch war, in Schottland aristokratisch gewesen 
ist. Auch werden wir sehen, dass die Reformation in Schottland, 
Weil sie nicht das Werk des Volks war, auch nie die Wirkung 
hervorgebracht hat, die man von ihr hätte erwarten sollen und 
die sie in 'England hervorgebracht. Ja es ist nur zu klar, 
während in England der Protestantismus den Aberglauben ver- 
mindert, den Clerus geschwächt, die Duldung vermehrt, mit einem 
Wort, den Triumph weltlicher Interessen über die geistlichen ge- 
sichert hat, so ist ihr Erfolg in Schottland ein ganz anderer 
gewesen. Hier hat die Kirche ihre Form, aber nicht ihren Geist 
geändert; sie hat nicht nur ihre alten Anmaassungen, sondern 
unglücklicherweise auch ihre alte Macht aufrecht erhalten; nun
        

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