Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1016926
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Zustand von Schottland 
irgend einem Lande die Summe der Verwunderung erhöht, oder 
was in irgend einem Lande die Summe der Gefahr steigert, das 
hat die unmittelbare Richtung auf die Vermehrung der Summe des 
Aberglaubens, wodurch natürlich den Priestern mehr Macht in die 
Hände gegeben wird.   
Durch die Anwendung dieser Grundsätze auf Schottland wird 
es uns gelingen, mancherlei Thatsachen aus der Geschichte dieses 
Landes aufzuklären. Zuerst bietet sein landschaftlicher Charakter 
einen entschiedenen Gegensatz zu dem" von England," und kann 
unter einem unwissenden Volke viel leichter zu mäehtigem und 
dauerndem Aberglauben die Veranlassung geben. Die Gewitter 
und die Nebel, der dunkle Himmel, von häuügen Blitzen durch- 
zuckt, die Donnerschläge, die von Berg zu Berg wiederhallen und 
ihr Echo nach allen Seiten verbreiten, die gefährlichen Orkane, 
die Windstösse, welche über die unzähligen Seen, womit das Land 
übersäet ist, dahinfahren, die wüthend herunter rollenden Berg- 
ströme, die den Pfad des Wanderers überschwemmen und seinen 
Weg abbrechen, bilden einen seltsamen Contrast zu den Erschei- 
nungen, die so viel sicherer und milder sind, und unter denen das 
Englische Volk seine gedeihliche Entwickelung erlebt und seine 
mächtigen Städte erbaut hat. Selbst der Glaube an Hexerei, viel- 
leicht der sehwärzeste Aberglaube, der je den menschlichen Geist 
entstellt hat, ist durch diese Eigenthümlichkeiten bestimmt worden; 
und man hat die richtige Bemerkung gemacht, dass nach dem alt- 
englischen Glauben die Hexe nur ein elendes alterschwaehes Weib, 
mehr die Sklavin als die Herrin der Dämonen war, die sie heim- 
suchten, dass sie dagegen in Schottland sich zu der Würde einer 
mächtigen Zauberin erhob, welche den bösen Geist beherrschte, 
ihn ihrem Willen unterwarf und dem Volk einen viel tiefer gehen- 
den Schrecken einflösste. 76) 
Autoren achteten selten auf diesen Unterschied; sie liessen sich durch die Ableitung 
des Worts Bewunderung („adrniration") verleiten. Die Römer waren sehr oberflächliche 
Denker in Allem ausser der Jurisprudenz; und ihr fehlerhafter Gebrauch des Worts 
nadmirari" brachte den Irrthum hervor, der so häufig bei uns vorkommt, dass unsere 
älteren Autoren statt „I admire" sagen „I wunder", und umgekehrt.  
76) „0ur Seottish witch is a far more frightful being than her supernatuml 00m1- 
jutor on the south side of the "Tweed. She sometimes seems to rise from the proper 
SPheTe Of thß witch, who is only the slave, into that of the soreerer, whv iS mietet 
of 11118 dßmßlh"     „In a people, so m" behind their neighbours in domestic 
organisetiou, poor and hardy, inhabiting a country of mouutains, torrents, und rocks,
        

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