Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1016643
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Zustand _von Schottland 
raschendes Symptom des Zustandes der öffentlichen Meinung und 
der Geschichte des Volks, unter dem er stattünden durfte. 
Während jedoch hinsichtlich der Unterthanigkeit der Gegensatz 
zwischen Schottland und Spanien vollständig ist, so ist sonderbarer 
Weise die schlagendste Aehnlichkeit zwischen beiden Ländern hin- 
sichtlich des Aberglaubens vorhanden. Beide Völker haben ihrer 
Geistlichkeit eine unbegrenzte Herrschaft eingeräumt und beide 
haben ihre Handlungen sowohl als ihr Gewissen der Gewalt der 
Kirche unterworfen. Als eine natürliche Folge davon war Unduld- 
samkeit in beiden Ländern ein schreiendes Uebel und ist es noch; 
in der Religion wird noch immer eine Bigotterie entwickelt, die 
eine Schmach für Spanien wäre, aber noch viel schmahlicher für 
Schottland ist. Schottland hat mehrere höchst ausgezeichnete 
Philosophen hervorgebracht, diese hätten das Volk sehr gern eines 
Bessern belehrt, aber vergebens versuchten sie diesen ernstlichen 
Makel aus dem Volksgeiste zu entfernen; einen Makel, der seine 
Schönheit verunstaltet und seine vielen andern bewundernswürdigen 
Eigenschaften aufzuwiegen droht. 
Hierin liegt das scheinbar Paradoxe und das wirklich Schwierige 
der Schottischen Geschichte, dass die Wissenschaft hier nicht die 
Wirkungen hervorgebracht wie anderswo, dass eine kühne forschungs- 
süchtige Literatur sich bei einem gröblich abergläubischen Volke 
findet und diesen Aberglauben nicht vermindert; dass das Volk 
sich fortdauernd seinen Königen widersetzt und fortdaucrnd seinen 
Priestern unterliegt, dass es freisinnig in der Politik und unfrei- 
sinnig in der Religion ist, und dass als natürliche Folge von 
alledem Menschen, die in dem sichtbaren und ausseren Gebiete 
' der Thatsachen und des praktischen Lebens eine selten erreichte 
Schlauheit und Kühnheit entwickeln, dennoch im speculativen 
Gebiete und in theoretischer Hinsicht wie Schafe vor ihren Pastoren 
zittern und jeder Abgeschmacktheit ihre Zustimmung geben, "wenn 
ihre Kirche sie nur geheiligt hat; dass so widerstreitende Dinge 
neben einander bestehen können, scheint auf den ersten Blick ein 
seltsamer Widersinn und ist gewiss eine Erscheinung, die unsere 
sorgfaltigste Aufmerksamkeit"verdient. Die Ursachen dieser unge- 
wöhnlichen Erscheinung nachzuweisen und die Folgen aufzuzeigen, 
zu denen sie geführt, wird die Aufgabe des noch übrigen Theils 
dißSßS Bandes sein; und obgleich die_ Untersuchung sich etwas in 
die Länge ziehen wird, so. wird sie doch hoffentlich nicht lang- 
weilig gefunden werden, wenn man die Wichtigkeit der Unter-
        

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