Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1016592
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des 
bis zur Mittq 
J ahrh. 
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Reformen und Verbesserungen von allen Seiten und mit der Aus- 
dehnung ihres Einflusses selbst auf solche barbarische Länder als 
Russland und die Türkei; aber diese Bewegung hat Spanien 
unberührt gelassen. Während der menschliche Geist die wunder- 
vollsten und unerhörtesten Schritte gethan, während Entdeckungen 
in allen Wissenszweigen zugleich auf uns eindringen und in so 
reissend schneller und verwirrender Folge auftreten, dass das 
stärkste Auge, geblendet von dem Glanz ihrer Erscheinung, 
nicht im Stande ist sie als ein Ganzes zu fassen, während neue 
Entdeckungen von noch grösserem Gewicht und noch entfernter 
von der gewöhnlichen Erfahrung offenbar herannahen und sich in 
weiter Ferne zeigen, von wo aus sie erst dunkel auf die vor-. 
gerücktesten Denker, die ihnen am nächsten sind, wirken und 
ihren Geist. mit den unbestimmten, ruhelosen, fast peinlichen Ge- 
fühlen erfüllen, welche immer die Vorboten künftiger Triumphe 
sind; während die Schleier ungestüm zerrissen und die Natur, an 
allen Punkten angegriffen, gezwungen wird ihre Geheimnisse zu 
offenbaren und der ungezähmten Energie des Menschen ihren Bau, 
ihre Einrichtung, ihre Gesetze zu enthüllen; während Europa 
wiederhallt vvon dem Geräusch intellectuellcr Grossthaten, mit denen 
selbst despotische Regierungen liebäugeln, um sie aus ihrem 
natürlichen Geleise herauszulenken und als neue Werkzeuge zu 
noch grösserer Unterdrückung der Volksfreiheiten zu gebrauchen; 
während unter diesem allgemeinen Getöse und in dieser allgemeinen 
Aufregung der öffentliche Geist hin- und wieder wogt, auf- und 
abschwankt und in heftigster Bewegung ist;  während dessen 
schläft Spanien fort, ungestört, sorglos, apathisch, ohne einen 
Eindruck von der übrigen Welt zu empfangen oder einen auf sie 
zu machen. Dort liegt es am äussersten Ende des Festlandes, eine 
gewaltige starre Masse, gegenwärtig der einzig noch übrige Vertreter 
der Gefühle und der Bildung des Mittelalters. Und was dabei das 
schlimmste Zeichen ist, es ist mit seinem Zustande zufrieden. Während 
es von allen Ländern in Europa am meisten zurück ist, glaubt es am 
weitesten voraus zu sein. Es ist auf Alles stolz, worüber es sich 
schämen sollte. Es ist stolz auf seine veralteten Ansichten, stolzauf 
seine Rechtgläubigkeit, stolz auf seine Glaubensstärke, stolz auf 
seine grenzenlose kindische Leiehtgläubigkeit, stolz auf seine Ab- 
neigung gegen alle Reform seines Glaubens und seiner Gewohn- 
heiten, stolz auf seinen Hass gegen die Ketzer und stolz auf die 
immer lebendige Wachsamkeit, womit es ihre Anstrengungen ver-
        

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