Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1016444
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des 
Geschichte 
Span. 
Geistes 
Forschung, bestätigte er blos die Sitten der Nation, welche seine 
Vorfahren missachtet hatten. Der Anhalt, welchen die Hierarchie 
dieses Landes an der öffentlichen Meinung hat, ist "immer sprich- 
wörtlich gewesen; aber er ist sogar noch grösser als man gewöhn- 
lich glaubt." Wie es damit im 17. Jahrhundert stand, haben wir 
schon gesehen, und im 18. Jahrhundert finden sich keine Zeichen 
seiner Verminderung, ausser bei wenigen kühnen Männern, die 
nichts ausrichten konnten, so lange die Stimme des Volks ihnen 
so stark entgegen War. Ganz im Anfange der Regierung Philipp's V. 
berichtet uns Labat, der in Spanien reiste, wenn ein Priester die 
Messe lese, so hielten es Adelige vom höchsten Range für eine 
Ehre, ihm beim Ankleiden zu helfen; sie liessen sich auf ihre 
Kniee nieder und küssten ihm die Handeßßß) Wenn dies die 
stolzeste Aristokratie Europas that, so können wir uns denken, 
was die-allgemeine Stimmung gewesen sein muss. Und Labat 
versichert uns wirklich, ein Spanier würde kaum für reehtglaubig 
gelten, wenn er der Kirche nicht einen Theil seines Vermögens 
hinterliess; so durch und durch war die Verehrung der Hierarchie 
ein wesentlicher Bestandtheil des Nationalcharakters geworden. 339) 
Ein noch interessanteres Beispiel kam zum Vorschein bei 
Gelegenheit der Jesuitenvertreibung. Diese einst nützliche, jetzt 
aber unbequeme Körperschaft war im 18. Jahrhundert, was sie im 
19. ist, der hartnäckige Feind des Fortschritts und der Duldung. 
Die Könige Spaniens sahen, dass der Orden sich all ihren Reform- 
planen widersetzte und beschlossen, sich des Hindernisses, auf das 
sie bei jedem Schritte stiessen, zu entledigen. In Frankreich 
waren die Jesuiten eben als eine öüentliche Plage behandelt und 
338)! "Ceux qui servent 1a messe en Espugne, seit Religieux, ou Seculiers, ne 
manquent jamais (Yaider le Prätre ü. ähabiller, et le font avec beaucoup de respect. 
Les plus grands Seignäurs s'en font honneur, et ä mesure qlfils präsentent au Prätre 
quelqug partie des ornemens, ils lui baisent 1a main. On se met ä genoux pom- 
donner ä laver au Prätre pendant 1a Messe, et apräs qu'il a essuyö ses doigts, celui 
qui lui a donnä l'eau demeurunt ä, genoux lui prösente le. bassin retournä, sur lequel 
1e Prätre met sa main pour 1a hii laisser haiser. Au retour ä 1a Sacristie, il ne manque 
pas d'aider le Prätre ä se dellshabiller, apräs quoi il se met ä gqnoux pgur reeevoir 5a 
bänädictidn, et baiser sa main." Labat, Voyages m Espagne e; m Imlie, Paris 
1730, I, 361 
339) „Telle est 1a coütume du Pais, on äexposeroit ä laisser douter de sä foi, et 
passer au moins pour Maran, ou Chrätieu nouveau, si on ne laissoit pas le üers de 
ses biens nlobiliers ä 1'Eglise." Labat, Voyages m Espwgne, I, 268.
        

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