Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969232
Epochen 
und 
geographische 
Grenzen. 
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Regeln fragte und den Anspruch an sich machte, die Quellen des 
Schönen vollständig zu benutzen. Diese Quellen sind aber für die 
Architektur stets historische, also bereits vorhandene Leistungen, 
und als solche boten sich den Italienern theils die einheimische, 
noch in vielen alten mehr oder weniger erhaltenen Werken vor- 
liegende antike Kunst, theils die der nordischen Völker dar. Frei- 
lich konnte man sich keiner von beiden unbedingt hingeben; die 
Antike entsprach weder den herrschenden Verhältnissen noch 
dem christlichen Sinne, die Baukunst des Nordens aber setzte, 
abgesehn von manchem andern, was sie den Italienern unver- 
ständlich machte, ein ganz andres Raumgetiihl als das ihrige vor- 
aus. Dennoch hatten beide etwas Anziehendes, diese eine gewisse 
Kühnheit, Eleganz und Wärme, jene die dem Nationalgefühl zu- 
sagende Würde, Ruhe und Einfachheit. Es wäre darauf ange- 
kommen, diese verschiedenen Vorzüge zu verschmelzen und dar- 
aus einen neuen italienischen Styl zu bilden, allein dazu waren 
theils jene Style innerlich zu sehr entgegengesetzt, theils die 
Italiener eben wegen ihres Mangels an schulmässiger Disciplin 
ilngeeignet. Es blieb daher bei individuellen Versuchen, bei denen 
dann aber die Erfolge und der Einfluss des Publikums eine ge- 
wisse Uebereinstimmung hervorbrachten, vermöge welcher dann 
endlich die Elemente des Gothischen im Allgemeinen jedoch 
bald in stärkerer, bald in schwächerer Weise das Uebergewicht 
erhielten. 
In diesem Sinne gab es also auch herrschende Stylformen 
und Stylveränderungen, aber mit viel geringerer Bedeutung, als 
bei den nordischen Nationen. Für diese waren sie Stufen ihrer 
geistigen Entwickelung, allgemeine Gesetze, denen sich für die 
Zeit ihrer Geltung alles unterwarf; den Italienern erschienen sie 
mehr als ein blosser Geschmackswechsel, als eine Bereicherung 
des vorhandenen Formenvorraths, von der man nach individuellem 
Belieben Gebrauch machen konnte oder nicht. Das italienische 
Raumgefühl und ihre ganze Auffassung der Architektur blieben 
ohnehin unverändert, die fremden Formen Qbildeten also nur eine 
neue Weise der Decoration, die man, eben weil sie keinen festen 
Boden hatte, auch gelegentlich übertrieb und neben der sich auch 
ältere Formen erhielten. Von romanischem Style sollte man in
        

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