Volltext: Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst (Bd. 7 = [2], Bd. 5)

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Italienische 
Architektur. 
sie von andern sehr scharf unterscheidet. Es reicht dies freilich 
nicht weiter, wie ihre Nationalität überhaupt; es ist nicht die frei- 
erstrebte, active, geistige Einheit des Volksgeistes, sondern nur 
die passive Gleichheit und Uebereinstimmung, welche durch die 
gleichen Eindrücke der Natur und der geschichtlichen Ueberlie- 
ferungen auf alle Einzelnen entsteht. Aber diese Einwirkung der 
Natur und die dadurch hervorgebrachte Uebereinstimmung der 
Einzelnen ist hier unter dem kräftigeren Himmel Italiens viel 
stärker als in: den nördlichen Ländern, und auch dies Naturelement 
gehört zu den wahlberechtigten Factoren der Architektur. 
Jeder kennt die sehr charakteristische Weise aller Aeusse- 
rungen der Italiener, ihre ruhigen, maassvollen und doch höchst 
sprechenden Bewegungen, ihre Vorliebe für bequeme, breite Ver- 
hältnisse, einfache Formen, übersichtliche Anordnungen, ihre Ab- 
neigung gegen alles Verwickelte, Kleinliche, Künstliche, und 
dann wieder ihre Freude am Entschiedenen und Kühnen , am 
Glänzenden und Heiteren, an gesunder Lebensfülle und am Reich- 
thum des Schmuckes. Das sind noch nicht künstlerische Gefühle 
und noch weniger Resultate künstlerischer Einsicht, aber wohl 
Elemente, welche auch auf die Kunst einwirken und besonders 
in der Architektur, wo sie nicht unter der Fülle sittlich persön- 
licher Erscheinungen verborgen liegen, deutlich zu Tage treten. 
Auf ihnen beruht zunächst das specitisch-italienische Raum- 
gefihl, Welches sich von dem nordischen Weit unterscheidet. 
Während dieses theils das behaglich Enge, theils das kühn Em- 
porstrebeilde, Knappe, Schlanke, und zugleich bedingte, aus ver- 
schiedenen Grössen zusammengesetzte Proportionen liebt, sucht der 
italienische Sinn auch im baulich umschlossenen Raume das Breite, 
Geräumige, Luftige selbst bis zur Leere, und zieht die Gleich- 
heit, das quadratische Verhältniss, dem bedingten oblongen vor. 
Diese Verschiedenheit wird dann durch das Hinzutreten des indi- 
viduellen Elements noch viel wichtiger als sie an sich sein würde. 
Eben durch das stärkere Selbstgefühl bildet sich bei den Italienern 
auch ein sehr ausgesprochenes Gefühl für die Hauptverhältnisse 
des Raumes, sie schreiten nicht erst durch die Anschauung der 
Theile zum Ganzen fort, sondern fassen dieses in seiner Allge- 
meinheit und in seinem Verhältnisse zu dem beschauenden Indi-
	        
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