Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969175
Drittes 
Kapitel. 
Die 
Architektur 
bis 
gegen 
1250. 
schon die sittlichen Zustände Italiens lassen vermuthen, dass die 
künstlerische Begabung der Nation nicht grade eine überwiegend 
architektonische sein konnte. Die Architektur verlangt Gemein- 
sinn, Hingebung, eine gläubige, verehrungsvolle Stimmung; sie 
gedeihet daher überall nur in der Jugendzeit der Völker und ver- 
liert ihre schöpferische Kraft, sobald das persönliche Selbstgefühl 
der Einzelnen herangereift ist. Die Italiener aber begannen ihre 
historische Laufbahn mit der egoistischen Zersplitterung, in der 
andere Völker enden, und selbst das durchgeführte republikanische 
System diente nur dazu, die individuelle Kraft zu regeln und zu 
bewusster Virtuosität auszubilden", nicht sie dem Gemeinwesen 
bleibend zu unterwerfen. Auch in der Kunst sind sie daher vor- 
zugsweise auf das Individuelle angewiesen, auf die Auffassung 
und Darstellung des Einzellebens; für die Architektur fehlte ihnen 
sowohl der Gegenstand, die begeisterte Anschauung des Gemein- 
wesens, als auch die Fähigkeit sich uuterzuordnen und zu einer 
Gesammtarbeit zusammenzuschliessen. Sie sind vor Allem Pla- 
stiker und betrachten auch die Architektur zunächst von diesem 
Standpunkte, nicht als ein gemeinsames, auf harmonische Ge- 
sammtwvirkung berechnetes Werk, sondern als eine Gelegenheit 
zu individuellen, plastisch-decorativen Leistungen. 
Es ist daher begreiflich , dass sie keinen eignen Baustyl im 
höheren Sinne des Wortes, Wie es der griechische gewesen war 
und der gothische der nordischen Völker grade jetzt wurde, er- 
zeugten; sie hatten dafür Weder Sinn noch Bedürfniss. Aber den- 
noch haben ihre Bauwerke eine gewisse Eigenthümlichkeit, ge- 
meinsame, wiederkehrende Vorzüge, ein nationales Gepräge, das
        

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