Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969123
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Italien 
im 
XIV 
Jahrhundert. 
Empfindung, welche schon durch die Schönheit des Lrudes und 
die Gunst der Natur angeregt und befördert wurde, die Unruhe 
des südlichen Blutes, welche nach Beschäftigung und Unterhaltung 
strebte, die Sinnlichkeit mit ihrer Freude am Sichtbaren und ihrer" 
Neigung, die abstracten Begriffe in bildliche Form zu kleiden, 
Vor Allem wichtig war die religiöse Stellung der Italiener. Da 
ihnen das Christenthum von seiner ersten Verbreitung an immer 
vorzugsweise als Cultus, nicht als leben- und sittenbildendes 
Princip erschienen war, fühlten sie das Bedürfniss sittlicher Vor- 
bilder und konnten diese vermöge ihrer Abneigung gegen abstracte 
Theorien nur in idealen Anschauungen suchen. Wie einst bei 
den Griechen, kamen auch hier die Mängel der öffentlichen R eligion 
der Kunst zu statten; die religiösen Gefühle, die im Cultus keine 
Befriedigung fanden, flüchteten auf das aesthetische Gebiet, und 
die strebenden Gemüther gewöhnten sich, das Gute unter der 
Gestalt des Schönen aufzusuchen. Der geschichtliche Hergang 
führte dazu, diese Neigung zu stärken und zu reifen. Während 
der grossartigen und anregenden Unruhe der heroischen Zeit hatte 
man noch hoffen dürfen, durch die Kraft idealer Vorbilder auf die 
Wirklichkeit einzuwirken, sie zu heben und zu veredeln. Je mehr 
aber diese Hoffnung schwand, je mehr unter der befestigten 
Herrschaft der Tyrannen und bei dem Intriguenspiel der städti- 
schen Machthaber der Egoismus und die Genusssucht wuchsen, 
desto mehr war man darauf angewiesen, die Erfüllung der idea- 
len Ansprüche auch nur auf idealem Boden, auf dem der Kunst, 
zu suchen. War man sich dieses Grundes auch nicht völlig be- 
wusst, so zeigte es sich doch in der allgemeinen Liebe und Ver- 
ehrung, mit der man sie pflegte. 
Die Poesie, als die schneller reifende Kunst, ging auch hier 
voran, und besonders war es Dante's Gedicht, welches der Nation 
das Gefühl solcher idealen Befriedigimg und dadurch eine Begei- 
sterung erweckte, die demnächst nach seinem Tode in der Ver- 
ehrung, welche dem Petrarca gezollt wurde, ihren Höhepunkt 
erreichte. Alle Stände schwärmten für ihn; er vereinigte "den 
Ruhm des Gelehrten und den des populären, sentimentalen Dich- 
ters. Seine Reisen waren Triumphzüge, das Volk feierte von 
seiner Arbeit Wo er einzog, die Behörden empfingen ihn feierlich,
        

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