Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969110
Scholastik 
und 
Frivolität. 
67 
XIV. Jahrhunderts ging, 
berühmten des Boccaz. 
beweisen die Novellen , 
vor Allem die 
Man kann nicht sagen, dass die Kir che durch alle diese 
Aenderungen unmittelbar verlor. Sie gewann Vielmehr Schon 
dadurch, dass sich ihre Gegner verminderten. Die dynastischen 
Interessen leisteten ihr nicht den anhaltenden Widerstand wie die 
aufgeregte Stimmung republikanischer Massen, und die antiken 
Studien leiteten von theologischen ab, und dienten dazu, eine 
kühle Toleranz zu befördern, welche sich den kirchlichen Formen 
leicht unterwarf. Die Abwesenheit der Päpste von Italien min- 
derte die praktischen Conflicte und erweckte sogar eine, wenn 
auch halb politische, Sehnsucht nach dem Wiederbesitze des 
heiligen Stuhls. DieKirche erhielt so die Bedeutung eines natio- 
nalen Instituts, an welches die Individuen in ihrer Isolirung sich 
gern ansehlossen. Auch die zunehmende Ueppigkeit des welt- 
lichen Lebens that ihr keinen Abbruch, sondern führte ihr reuige 
Sünder zu und gab der Ascetik des Klosterlebens in den Augen 
des Volkes eine Folie, die es noch mehr hob. Ueberhaupt war 
das Feuer, welches der h. Franz entzündet hatte, noch nicht er- 
loschen, sondern glimmte in der Tiefe der Gemüther fort und 
flammte noch von Zeit zu Zeit empor. Zwar blieb auch die Geist- 
lichkeit von dem frivolen Sinne der Zeit nicht unberührt, und be- 
sonders wurden die Bettelmönche durch ihre Scheinheiligkeit und 
Einfalt, sinnliche Gierigkeit und Schlauheit ein beliebter Gegen- 
stand des Spottes. Aber das that der Frömmigkeit keinen Ab- 
bruch, man war es gewohnt, sich wechselnden Stimmungen hin- 
zugeben und alle Aeusserungen als individuelle zu betrachten. Nur 
dadurch kam die Kirche auf einen abschüssigen Weg, dass sie 
unter dem Einfluss höfischer Pracht und conventioneller Sitte der 
Schaulustigen Menge gegenüber sich mehr mit steifem Ceremoniell 
und Prunk umgab und dadurch an innerer Wirksamkeit verlor 
und der Sinnlichkeit Nahrung gab. 
Wie viel aber auch in sittlicher Beziehung an diesen Zustän- 
den auszusetzen sein mochte, jedenfalls waren sie der Kunst 
förderlich. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass der vorzüg- 
lichste Beruf der Nation nach dieser Seite hinging. Alle ihre An- 
lagen wiesen darauf hin. Der Schönheitssinn und die Feinheit der
        

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