Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969089
64 
Italien 
im 
XIV. 
Jahrhundert. 
Laura, die Spitzfindigkeit der Gedanken und der Aufwand von 
Allegorien noch ganz dem Geiste des Mittelalters entsprechen. 
Die italienische Prosa aber behielt nicht hloss das Gepräge 
scholastischer Gedankenbildung, welches die bisherige lateinische 
Prosa gehabt hatte, sondern sie wurde noch schwerfälliger und 
schwiilstiger als diese. Man hatte zu viel zu berücksichtigen, um 
kurz und einfach sein zu können. Die wirkliche Antike, auf die 
sich jetzt das Bestreben richtete, war denn doch sehr verschieden 
von den antiken Ueberresten, die in der italienischen Sitte mit 
christlichen Anschauungen verschmolzen waren; sie war ebenso- 
sehr wie die kirchliche Doctrin ein Gegenstand gelehrter F or- 
schungen, man musste daher stets ausdrücklich oder doch in Ge- 
danken citiren, und hatte noch dazu zwei verschiedene Quellen zu 
berücksichtigen und Christliches und Antikes gut oder übel zu 
verbinden. Dazu kam dann, dass die Antike in der Gesellschaft 
neu und populär war und der Schriftsteller hoffen konnte, selbst 
für ein gewisses Uebermaass gelehrter Anspielungen dankbare 
Leser zu finden, und dass man sich an die Weitschweifigkeit 
nicht nur gewohnte, sondern an der gewichtigen und pomphaften 
Rede wie an der steifen ceremoniellen Sitte selbst ein gewisses 
Wohlgefallen fand. 
Es lag in der Mischung antiker und christlicher Vorstel- 
lungen, wie sie jetzt aufkam, etwas Verwirrendes. Schon Dante. 
hatte von den Gestalten der antiken Mythologie einen reichlichen 
Gebrauch gemacht; aber sie traten doch nur in der Unterwelt oder 
als allegorische Gestalten auf, im Himmel sind sie verschwunden. 
Die Grenze zwischenldem Christlichen und Antiken steht also 
bei ihm noch fest. Boccaz dagegen, der Lebensbeschreiber und 
Erklärer Danteis, wirft in den Romanen, die er zum Theil nach 
französischen Vorbildern in die italienische Lesewelt einführt, bei- 
des völlig durcheinander, gleich als ob die alten Götter niemals 
aufgehört hätten, die Welt zu beherrschen, und die heiligen Ge- 
stalten des Christenthums nur neue Incarnationen derselben und 
mithin die Würdenträger und Gebräuche der Kirche ihrem Dienste 
gewidmet wären 
F") In der Fiametta erscheint dem Pamphilus die Venus während der Messe 
in der katholischen Kirche. Im Filicopo wird der Papst als Oberpriester der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.