Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969079
Scholastik 
und 
Antike. 
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thum ohne solche Beziehung, als eine Sache selbstständigen 
VVerthes, als das natürliche, wiederherzustellende Verhältniss. 
Dante's Führer ist der Dichter Virgil, Petrarca fühlt sich von 
dem prosaischen Weltmann und Redner Cicero angezogen, eignet 
sich von ihm die Neigung und den Styl des Briefwechsels, und 
soviel wie möglich seine Denkungs- und Anschauungsweise an. 
Das antike Italien ist seine eigentliche Heimath, er setzt unzählige 
Male die alten Schriftsteller, die alten Sitten als die eigentlich ein- 
heimischen, als die "unseren", den neuem christlichen entgegen. 
Während Dante Himmel und Hölle mit seinen Zeitgenossen und 
Vorfahren bevölkert, kommt in Petrarczfs Triumphen unter vielen 
antiken Helden selten irgend eine Gestalt der christlichen Ge- 
schichte vor. Dante verehrt ungeachtet seiner Vorliebe für das 
Alterthum die Scholastik als die Lehrerin christlicher Wahrheit. 
Petrarca steht zu ihr schon in Opposition, er verspottet nicht bloss 
bei jeder Gelegenheit die Weitschweifigkeit und Pedanterie, das 
prunkende und anmaassende Wesen der Fachgelehrten, sondern 
er bestrebt sich auch augenscheinlich, eine andere Art des Vor- 
trags auszubilden, er vermeidet die syllogistische Form, greift 
nicht leicht auf traditionelle Sätze zurück, sondern appellirt an die 
gemeine Erfahrung und den gesunden Menschenverstand, und 
bespricht philosophische Fragen im Conversationstone. Er hatte 
dadurch einen bedeutenden Einfluss auf seine Landsleute und 
kann als der Erste betrachtet werden, der den- niemals ganz 
verschwundenen Sinn für Einfachheit und Natürlichkeit vollends 
erweckte und bewusster Weise nach einer Wiederbelebung des 
Alterthums strebte. 
Mit der gleichzeitig aufkommenden Neigung für ritterliche 
und scholastische Formen stand dies nun freilich nicht im Ein- 
klange. Beide Elemente, welche im XIII. Jahrhundert und bei 
Dante noch zusammengingen, waren so gewachsen, dass ihr 
innerer Widerspruch mehr zu Tage trat. Petrarca selbst ver- 
mag jene Einfachheit und Natürlichkeit nur in seinen lateinischen 
Aufsätzen und Briefen, wo ihm Cicerois Beispiel vor Augen steht, 
einigermaassen zlfwahreu. In seinen italienischen Gedichten spürt 
man nur in der Form einen und auch da nur bedingten Einfluss 
des Klassischen, während der Inhalt, die ideale Liebe zu seiner
        

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