Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969042
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Italien 
im 
XIV. 
Jahrhundert. 
sich gern mit einem prunkenden Ceremoniell, welches theils ihr 
Ansehen erhöhen und der republikanischen Sitte entgegenwirken, 
theils auch eine Schutzwehr gegen feindliche Nachstellungen oder 
Verschwörungen gewähren sollte. Da auch die Eitelkeit ihrer 
Höflinge dabei Befriedigung fand, so entwickelte sich daraus eine 
Neigung für steife Formen in Tracht und Gebräuchen, welche 
mehr oder weniger auch auf bürgerliche Kreise überging. 
Mit- dcm Ritterthum und dem hötischen VVesen gewann auch 
die ritterliche Literatur einen grösseren Einfluss. Unter dem Vor- 
herrschen republikanischer Staaten hatte die einfache Erzählung 
wirklicher und grade dadurch ergreifender Ereignisse, die reine 
Idealität der Liebespoesie oder gar Dante's religiöser Ernst fei- 
nern Gemüthern eine zusagende geistige Nahrung gegeben. Jetzt, 
wo die dynastische Politik ihre Intriguen und ihre Grausamkeiten 
mehr in Dunkel hüllte, wo die Verhältnisse häufig das Schauspiel 
raschen Emporkommens und plötzlichen Glückswechsels gewähr- 
ten, wo überdies die Sitten, unter der Hülle des Ceremoniells, fri- 
voler wurden, verlangte man pikantere Kost und ergötzte sich an 
den bunten, künstlichen Abenteuern der Romanhelden, an ihren, 
menschliches Maass überschreitenden Thaten und der gesteigerten 
Sentimentalität oder Ueppigkeit ihrer Licbesverhältilisse. Die 
Ritterromane des Nordens fanden daher ein grosses Publikum 
und bald auch italienische Bearbeiter, Welche sie dem einheimischen 
Geschmacke noch zugänglicher machten. 
Auch in der Wissenschaft glich sich der Unterschied zwischen 
Italien und den übrigen Ländern mehr aus. Die abstracte Scho- 
lastik als solche machte zwar auch jetzt in Italien kein Glück, aber 
sie hatte auch jenseits der Alpen nicht mehr die hohe Bedeutung 
wie früher. Dafür aber War sie überall die herrschende wissen- 
schaftliche Form und das Mittel geworden, das allmälig immer 
mehr anwachsende, aber sehr zufällig entstandene Material der 
Fachwissenschafteil einigermassen zu ordnen und sich über die 
Lücken und Sprünge, in denen man es vortrug, zu beruhigen und 
zu täuschen. Hierzu diente sie auch in Italien, und mit dieser 
grössern Verbreitung scholastischer Gedankenform steigerte sich 
auch die Prätention und der Dünkel der Schulgelehrten. Denn je 
mehr ihre aus vielleicht kaum verstandenen Nachrichten antiker
        

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