Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969038
Condottieri. 
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Profession zwar Wenig gemein; aber sie bildeten doch auch einen 
besonderen, vorzugsweise aus vornehmen Mitgliedern bestehenden 
Stand, der das stolze Handwerk der Waffen ausschliesslich, meist 
zu Bosse, und zwar, wie sich bei dieser Ausschliesslichkeit bald 
von selbst ergab, kunstmässig, nach ausdrücklich oder still- 
schweigend festgestellten Regeln betrieb. Dazu kam, dass man 
auch im Norden von jener ideellen Höhe längst herabgestiegen 
und das Ritterthum mehr Form als innere Wahrheit war. Auch 
den nordischen Rittern kam es mehr auf Gewinn an Sold oder 
äusserer Ehre, als auf edlere Motive an. Italienisches und nor- 
disches Kriegswesen war daher nicht mehr so verschieden wie 
früher, und da überdies die Ersten, welche diesen Solddienst auf 
italienischem Boden betrieben und das System desselben begrün- 
deten, nordische Ritter gewesen waren, so ist es begreiflich, dass 
die Italiener mit ihrer Kriegskunde auch ihre Gebräuche und 
standesmässigen Sitten annahmen. Es entstand dadurch das 
eigenthümliche Resultat, dass das Bitterthum, das in seiner Blüthe- 
zeit den Italienern fremd geblieben war, nun in den steifen und 
conventionellen Formen seines Verfalls hier einheimisch wurde. 
Auch die Turniere, die bisher äusserst selten,'meist nur von 
Fremden ausgehend, und beim Volke niemals beliebt gewesen 
waren k), kamen jetzt mehr in Aufnahme. Bei einem Krieger- 
stande, der nicht, wie in den neueren stehenden Heeren, stets im 
Dienste blieb, waren sie in Friedenszeiten zugleich eine nützliche 
Uebung und ein Mittel, die leere Zeit zu füllen, und die Fürsten, 
sowohl die, welche selbst als Condottieri auftraten, als die, welche 
solche im N othfalle gebrauchen mussten, fanden darin eine günstige 
Gelegenheit, kühne und geübte Krieger an ihre Höfe zu ziehen 
und zugleich ein prachtvolles Schauspiel für dieselben zu ge- 
Winnen. 
Auch sonst begründete das Vorherrschen fürstlicher Herr- 
schaft eine Annäherung an nordisch-ritterliche Sitte. Die Fürsten, 
mochten sie alten Stammes oder Emporkömmlinge sein, umgeben 
 Karl von Anjou begünstigte sie (Muratori Antiqu. Diss. 53), aber der 
Podeste von Treviso versagte dem Ulrich von Lichtenstein die Abhaltung des 
Tumieres. Vgl. auch bei Petrarca epist. sen. XI. 13 p. 889. die Klagen über 
diese auch von ihm als eine fremde behandelte Sitte.
        

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