Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969027
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Italien 
im 
XIV. 
Jahrhundert. 
Häuser war daher immer ein unsicherer, von aussen und innen 
bedrohter, bloss factischer. Aber gerade diese Unsicherheit wurde 
eine Schule arglistiger, feiner Politik, und nöthigte sie, auf mate- 
rielle Mittel zur Unterdrückung feindlicher Anschläge bedacht zu 
sein. Sie vermieden daher, den Bürgern Waffen in die Hand zu 
geben, hielten vielmehr nicht nur selbst zahlreiche geübte Söldner- 
schaaren, sondern sahen sich auch nach Verbindungen um, welche 
ihnen für den Fall der N 0th solche gewähren konnten. Dies 
System fand aber auch bald in den republikanisch gebliebenen 
Städten Eingang, theils weil man es für bedenklich hielt, mit den 
Wenig geübten Schaaren der bewaffneten Bürgerschaft den wohl- 
geordneten 'l'ruppen der Fürsten entgegen zu treten, theils weil 
die Bürger es bei dem wachsenden Umfange und Erfolge ihrer 
gewerblichen Geschäfte vorzogen, sich durch die zur Unterhaltung 
von Söldnern nöthigen Steuern vom persönlichen Dienste und den 
damit verbundenen Nachtheilen loszukaufen. Man gewohnte sich 
daher mehr und mehr, die Kriege mit Söldnern zu führen. An- 
fangs Waren die Führer und Unternehmer dieses Solddienstes 
meistens Fremde, Deutsche, Franzosen, Engländer, welche ihre 
Leute mitbrachten und in Italien ergänzten. Bald aber machten 
auch Einheimische, meist Besitzer adlicher Territorien oder Herren 
kleinerer Städte, ein Gewerbe daraus, Kriegsleute heranzuziehen, 
um sie im Falle des Bedürfnisses den grössern Städten oder 
Fürsten zu vermiethen. Sie erlangten dadurch doppelte Vortheile, 
den eines Geldgewinnes, der den Ertrag ihres Besitzes weit über- 
stieg, und die Gelegenheit zur Unterhaltung einer bedeutenderen, 
auch für eigne Zwecke nutzbaren Truppe. Mit dem republika- 
nischen Sinn schwand daher auch das Gefühl der Wehrhaftig- 
keit und es bildete sich neben der erwerbsamen und geniessenden 
Bürgerschaft der Städte ein eigner Kriegerstand, aus dem meistens 
beide kämpfenden Theile ihre Truppen nahmen und der daher all- 
mälig allein auf den Schlachtfeldern erschien. Die regelmässigen 
Schaaren dieser Condottieri oder Soldati (denn so nannte man 
diese Unternehmer) bestanden anfangs vorzugsweise aus Reitern, 
und die Kriegführung erhielt schon dadurch einenandern Cha- 
rakter als bisher. Mit dem nordischen Bitterthume in seiner ed- 
lereil und ursprünglichen Auffassung hatten diese Soldaten von
        

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