Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975491
in 
Rhodus. 
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thik, aber allerdings noch späteren Styls. Die Hauptstadt Rhodus 
selbst und besonders wieder ihre Hauptstrasse, die "Sh-esse der 
Bitter", in welcher die Paläste der Ordensgewaltiger und die 
Herbergen der verschiedenen Zungen des Ordens, der französi- 
schen, englischen u. s. f. lagen, und die mit einer offenen Säulen- 
halle schloss, in der die Ritter sich zum Kirchgange oder bei 
ähnlichen Veranlassungen sammelten, erschien wie eine franzö- 
sische Stadt des XV. Jahrhunderts. Auch die meisten Kirchen 
waren ganz in französischem Style; so St. Katharina, ein ein- 
facher, einschifliger Bau mit einer Apsis, mit Zinnen bekrönt und 
wehrhaft eingerichtet, und die erst dem XV. Jahrhundert ange- 
hörige Kirche S. Marcus. Nur die Kathedrale St. Johannes 
Baptista , angeblich 1309-1346 gebaut, machte eine Aus- 
nahme. Grosse antike Granitsäulen mit antiken oder byzantini- 
sirenden Kapitälen trugen spitzbogige Arcaden ohne alle Gliede- 
rung; die Oberlichter waren halbkreisförmig, alle drei Schilfe des 
Langhauses von dem offenen Dachstuhl mit farbig verzierten 
Balken bedeckt. Nur das Krenzschiff und der viereckig schlies- 
sende Chor hatten Rippengetwvölbe und spitzbogige Fenster. Eine 
Kirche, welche die Venetianer ungefähr zu derselben Zeit in 
Chalcis auf Euboea bauten, soll sehr ähnlich sein, und jedenfalls 
macht die ganze Anlage es wahrscheinlich, dass der Meister, den 
man dazu berufen, ein Italiener gewesen, was auch bei den viel- 
fachen Verbindungen des Ordens mit Italien sehr begreiflich ist, 
aber weiter keinen Erfolg hatte, da demnächst der französische 
Styl auch hier vorgezogen wurde. 
Die Türken, seit 1522 Herren der Insel, hatten diese Bauten 
der fränkischen Ritter meistens unverändert gelassen, so dass sie 
noch vor wenigen Jahren den Reisenden durch ihren malerischen 
Anblick erfreuten. Seit dem Herbste 1856 ist damit eine traurige 
Veränderung eingetreten; ein gewaltiges Erdbeben, welches zehn 
Tage lang in grosser Stärke anhielt, hat die meisten dieser Ge- 
bäude beschädigt oder zerstört, und kaum war diese Gefahr vor- 
über, als der Blitz in den von den Türken als Pulvermagazin be- 
nutzten Glockenthurm von St. Johann Baptista einschlug und eine 
Explosion verursachte, welche auch die Kirche in einen Schutt- 
haufen verwandelte. Wir sind daher ganz auf das Zeugniss
        

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