Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975465
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Abeudländische 
Baukunst 
förmige Pfeiler mit aufsteigenden hohen Diensten, Knospenkapi- 
täle, in Sebaste sogar Rippengewölbe. Jene können möglicher- 
weise zu den frühesten, dem Bau der Grabeskirche vorhergehen- 
den Anlagen, diese zu den letzten Bauten vor der Katastrophe von 
1187 gehören. In St. Jean diAcre, WO sich die Kreuzfahrer bis 
1291 behaupteten, drang dann endlich auch der reiche völlig ent- 
wickelte gothische Styl ein; Gebäude desselben sind zwar jetzt 
nicht mehr erhalten, wohl aber ersehen wir dies aus der Zeich- 
nung der Kathedrale, welche das Reisewerk des Malers Corne- 
lius de Bruyn aus dem XVIl. Jahrhundert enthält. 
Die Treue, mit welcher diese abendländische Colonie dem 
heimischen Style von Stufe zu Stufe folgte, ist anziehend, aber 
bei dem beständigen Verkehre mit dem Mutterlande und dem Be- 
dürfnisse, sich demselben anzuschliessexi, begreiflich. Auffallen- 
der ist, dass jene älteren Bauten in stylistischer Beziehung, na- 
mentlich in der consequenten "Anwendung des Spitzbogens, den 
gleichzeitigen französischen vorauszueilen scheinen. Man kannte 
diesen Bogen in Frankreich zwar schon länger und an der Abtei- 
kirche zu St. Denis, deren Neubau wie der der h. Grabkirche zu 
Jerusalem 1140 begann, ist er schon vorherrschend. Aber doch 
mischen sich auch hier noch Rundbögen ein, und zwar an bedeu- 
tender Stelle, an Portalen und Fenstern der Facade, und noch 
stärker ist dies an den andern gleichzeitigen französischen Kir- 
chen; man braucht den Spitzbogen gewöhnlich nur, wo er tragen 
soll und behält an allen Fenstern und Portalen den Rnndbogen bei, 
bis er ein paar Decennien später auch da jene ältere Form ver- 
drängte. Es muss daher ein bestimmter Grund gewesen sein. 
welcher ihn den Kreuzfahrer-n mehr empfahl. WVenn es erwiesen 
wäre, dass dieser den ägyptischen Arabern schon längst bekannte 
Bogen bei der Ankunft der Kreuzfahrer auch in Palästina der 
herrschende, und also den einheimischen Arbeitern, deren sich die 
fränkischen Baumeister zum Theil bedienen mussten, geläufige 
gewesen, hätte schon dies sie zu seinem durchgehenden Gebrauche 
bestimmen könnenöß). Allein dass es so war, bedarf noch nähe- 
ren Beweises, und es ist kaum zu glauben, dass die christliche 
Bevölkerung des Landes sich schon so durchgängig der Sitte 
i) Dies ist die Ansicht von de Voguö.
        

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