Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975420
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Dalmatien. 
der Renaissance gemischten Styleä). Es ist, als ob die Luft des 
Orients, die bis in diese Gegend dringt, die Empfänglichkeit für 
das Gothische nicht aufkommen lässt; sie ist in der That hier noch 
geringer als selbst im südlichen Italien. 
In den darstellenden Künsten konnte der schmale 
Küstenstreif Dalmatienis natürlich keine selbstständige Schule 
bilden. Indessen finden sich einzelne von Einheimischen stam- 
mende Werke, welche trotz unvollkommener Ausbildung und bei 
dilettantischer Keckheit nicht unbedeutende Anlagen verrathen. 
Von den Sculpturen des Raduanus am Dome zu Trau war schon 
die Rede. Nicht minder merkwürdig ist aber ein grosses plasti- 
sches Werk anderer Technik, die in Holz geschnitzte Thüre des 
Domes zu Spalato, Welche zwar ohne Inschrift, aber nach einer 
wegen ihrer Genauigkeit glaubhaften handschriftlichen Notiz um 
das Jahr 1214 von Meister Andrea Guvina, einem Maler aus 
Spalato selbst, gearbeitet ist im). Sie enthält auf jedem 'l'hürtlügel 
vierzehn Darstellungen aus dem Leben Christi, jede mit stets 
wechselnden Ornamenten von Flechtwerk oder Ranken eilige- 
rahmt, und alle durch ein breites Thürgerüst mit grösseren, von 
menschlichen und thierischen Gestalten belebten Arabesken zu- 
sammengefasst. Die Darstellungen selbst sind zwar von sehr in- 
correcter Zeichnung, aber von ungemeiner Lebendigkeit und 
mit einer Fülle von anziehenden Motiven, Wobei zuweilen Figuren 
mit charakteristisch slavischen Bewegungen vorkommen. Diese 
Thür übertrifft sowohl in dieser Beziehung als im Stylgefühl die 
beiden von S. Sabina zu Rom und von Alba fucese, und es ist 
bemerkenswerth, dass auch hier, wie es in Deutschland so oft 
vorkommt, ein Maler die Holzplastik betreibt. Eine weitereEnt- 
wickelung der darstellenden Künste lässt sich aber nicht nach- 
weisen und vom XIV. Jahrhunderte an sind die in Dalmatien ar- 
beitenden Künstler Italiener aus verschiedenen Gegenden, aus 
Ancona, Neapel, Mailand, oder auch Einheimische, die sich aber 
dem italienischen Style anschliessen. 
4') Organ für christliche Kunst, 1858, S. 273. 
w") A. a. O. Taf. XVI. und S. 244. Die Thüre ist 
und 10 Fuss 6 Zoll breit. 
16 Fuss 3 Zoll hoch
        

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