Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968951
Dante's 
sittliches 
ldeah 
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Wegungen; aber sie vermögen nichts über den freien Willen, den 
er wiederholt die höchste Gabe der göttlichen Gnade nenntii). 
Bis hieher sind die Eigenschaften, welche Dante rühmt, 
durchweg die einer männlichen, selbstbewussten Seele, welche die 
Verantwortung aber auch den Ruhm ihrer Handlungen für sich 
in Anspruch nimmt, und deren Tugend sich mit einer selbst an 
Härte streifendexi Strenge äussert. Allein er kennt dabei sehr 
wohl den NVerth einer gehaltenen und milden Würde. Die schöne 
Schilderung der grossen Männer des Alterthums im Limbus, "mit 
"den ruhigen, ernsten Augen und dem Ehrfurcht gebietenden 
„Antlitz, die wenig sprechen und mit sanfter Stimme" im), das 
Auftreten Virgils, dann Danteis eigner Ahnherr Cacciaguida und 
viele andre Gestalten beweisen dies zur Genüge. Dieser Würde 
entspricht dann die Ehrerbietung, die solchen Männern gezollt 
wird. Wenn Dante neben Virgil „mit verschämtem und gesenktem 
Blicke, besorgt, es falle lästig ihm sein Reden", oder neben sei- 
nem Lehrer Brunetto Latini einherschreitet „gebückt, wie wer 
verehrend wandeltß, wenn er in der Hölle den grossen florentini- 
sehen Bürgern und Staatsmännern die Achtung schildert, mit der 
ihre Namen in der Heimath genannt werden, und sonst bei un- 
zähligen Scenen des Begegnens geliebter und befreundeter oder 
berühmter, nur durch ihren grossen Namen bekannter Personen 
erkennen wir, dass sich mit jenem männlichen Stolze einjugend- 
liches Bedürfniss der Verehrung, eine Empfänglichkeit für das 
Grosse und Gute, die innigste, treueste Dankbarkeit besonders 
für geistige Gaben, ja eine innere Demuth verbindet, die ein 
sehr liebenswürdiges Bild giebt. Und da diese Aeussernngen 
überall nicht als etwas Ausserorderltliches, sondern als das Ge- 
wöhnliche und Hergebrachte auftreten, fühlen wir uns auf dem 
Boden einer durchbildeten guten Sitte, einer Urbanität, wie sie 
nur den Zeiten einer glücklichen harmonischen Entwickelung der 
Cultur eigen zu sein pflegt.  
Diese milde, ehrfurchtsvolle Stimmung bildet gewissermassen 
Ü Vgl. c. XVI. cit. v. 73 und Parad. V. 19. 
m") Inf. IV. 112, wo die ausdrucksvollen Worte: Con occhi tardi e gravl 
kaum übersetzbar sind. Für die übrigen Anführungen Inf. III. 79. XV. 45. 
XVI. 59.
        

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