Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975312
Vertheidigungskirchen. 
685 
Gang, Welchen man mit Schiessscharten und mit Oeffnungen im 
Boden zum Herabschütten von Pech und andern verderblichen 
Gegenständen versehu konnte. Der Raum über dem Gewölbe 
diente dann zur Vorbereitung der Vertheidigung. Die Nützlich- 
keit dieser Vorrichtung war einleuchtend und alle Landgemeinden 
strebten nach Maassgabe ihrer Kräfte danach, sie sich zu ver- 
schaffen. Diese Vertheidigungskirchen sind bald grösser 
bald kleiner, bald sind sowohl das Schiff als der Chor mit sol- 
chem Wehrgange versehn, bald ist nur der zu diesem Zwecke 
höher gebildete Chor nebst dem Thurme der Westseite zur Ver- 
theidigung eingerichtet. Natürlich hatte dieser kriegerische 
Zweck denn auch einen Einfluss auf die sonstige Gestaltung des 
Gebäudes. Der Chor ist immer einschiflig und mit drei Seiten 
des Achtecks geschlossen, das Langhans zuweilen auch dreischiftig, 
doch stets so, dass das Ganze von Einem Dache bedeckt ist. Die 
Gewölbe sind flach gehalten und daher meistens netzförmig. Im 
Innern kommt wohl feinerer Schmuck von Tabernakeln und Al- 
tären vor, auch sind die Fenster zuweilen ziemlich gross und mit 
Maasswerk versehen, aber im Ganzen bleiben, wie es in der 
Natur der Sache lag, die Formen einfach, schwer und stumpf f). 
In den grössereil befestigten Städten fiel zwar das Bedürf- 
niss solcher Kirchen fort; aber dennoch sind sie auch hier meist 
von strenger, einfacher Form. In manchen Fällen scheute man 
die Herbeischaifung des etwas entfernteren, besseren Steines und 
begnügte sich mit weichen Bruchsteinen oder Ziegeln, in andern 
unterbrachen kriegerische Ereignisse den Bau , der dann erst 
später bei verminderten Kräften eilig vollendet wurde. Aber auch 
sonst fehlte der Sinn für feinere, künstlerische Ausführung. Eine 
reich gebildete Facade, ein kühn und schlank aufsteigender 
Thurm, Strebebögen über den Seitenschiifen, Spitzgiebel über den 
Fenstern kommen auch nicht ein Mal vor. Die Kirchen sind Hal- 
lenbauten oder doch so angelegt, dass das Mittelschiff nur wenig 
über die SeiteuschiHe emporsteigt, die Pfeiler tragen den Charak- 
ter des Massenhaften. Und wenn auch einzelne Theile des Ge- 
Details 
Sieben- 
der zum Theil interessanten 
die Vertheidigungskirchen von 
262. 
 Namen und Beschreibungen 
giebt der Aufsatz von Friedr. Müller, 
bürgen, in den Mitth. 1I. 211, 227,
        

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