Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968948
50 
Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
ergiebt sich schon daraus, dass Cato von Utica, „dem für sie der 
Tod nicht bitter war", durch diese seine Freiheitsliebe die Ehre 
erlangt hat, der Repräsentant der Freiheit überhaupt und als sol- 
cher der Pförtner des Purgatorio zu werden. Es kann sein, dass 
diese Verwendung des Römers und seines Republikanismus hier 
nur eine halballegorische Bedeutung hat, aber auch sonst trägt 
jene höhere Freiheit so sehr den Charakter einer kräftigen und 
energisch mitwirkenden Selbstständigkeit, dass sie grosse Ver- 
wandtschaft mit dem Selbstgefühle eines republikanischen Bür- 
gers hat. Mit dieser hohen Bedeutung der Freiheit hängt auch 
ihre grosse Verantwortlichkeit zusammen; denn auch die Sünde 
ist allein dem freien Willen zuzurechnen, und Dante ist weit ent- 
fernt ihr in der Annahme eines mächtigen Versuchers eine schein- 
bare Entschuldigung zu bereiten. Die Teufel, so viel ihrer im 
Gedichte vorkommen, sind auf dem moralischen Gebiete ohne 
Bedeutung. Sie sind die boshaften Schergen, welche an der ihnen 
von Gott überlassenen Vollstreckung der verdienten Strafen ihre 
Freude haben; sie machen die Rechte der Hölle geltend, melden 
sich nach dem Tode des Menschen und streiten mit Engeln oder 
Heiligen um die Seele St), Lucifer freut sich in der Hölle über das 
Verderbniss der Päpste M1] , aber kein einziger der Verdammten 
oder Büssenden klagt über Verleitung des Teufels, keine einzige 
Stelle betrachtet ihn als den Fürsten der Welt, vielmehr wird die 
Entartung derselben wiederholt und in kräftigster WVeise allein 
den Menschen, ihre Schuld allein ihrem freien Willen zugeschrie- 
benmldf). Zwar den Sternen will auch Dante nicht jeden Einfluss 
absprechen, sie geben den Anreiz zu gewissen seelischen Be- 
i") Purgat. V. 104, wo der Teufel, da der Sünder mit dem Namen Marials 
verschieden ist, zwar dem Engel weicht, aber sich nun an dem entseelten 
Körper rächt, und Inf. XXVII. 118, wo S. Franciscus dem Teufel nachgeben 
und weichen muss. 
M) Parad. XXVII. 27. Nur ein einziges Mal im Purgat. XIV. 146 wird 
von dem "alten Widersacher" gesprochen, aber nur in gleichgültig herkömm- 
licher, bildlicher Rede; den Menschen wird vorgeworfen, dass sie gierig nach dem 
Köder schnappten, an dem die Angel des alten Widersachers sie zu ihm ziehe. 
k") Purgat. XVI. S2 (Philelethes): 
Drum wenn die gegenwärtige Welt verirrt ist, 
Liegt nur der Grund in euch, in euch nur sucht ihn.
        

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