Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975228
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Ungarn. 
legen zu dürfen geglaubt hat. In andern historischen Ueberliefe- 
rungen wird aber der Dom als eine erst im Jahre 1324 begonnene 
Stiftung der Königin Elisabeth von Polen bezeichnet, und die 
städtischen Rechnungen ergeben, dass noch das ganze XV. Jahr- 
hundert hindurch hauptsächlich an den Thürmen und Portalen ge- 
arbeitet wurde. Aus jenem ersten Bau im XIII. Jahrhundert kann 
jetzt nur noch die Krypta stammen, welche indessen schon längst 
als Begräbnissstätte benutzt, daher sehr entstellt und, wie es 
scheint, nicht näher durchforscht isti). Der ganze Oberbau aber 
lässt nur Formen erkennen, welche frühestens auf die Mitte des 
XIV. Jahrhunderts hinweisen. So der Chorbau mit seinen leich- 
ten Mauern, den breiten, aber doch vermöge ihrer Höhe schlank 
erscheinenden Fenstern, ihren fein profllirten Seitenwänden und 
ihrem reichen, nach klaren geometrischen Regeln constrnirten 
Maasswerk, mit den kräftigen Strebepfeilern, die in vielfachen 
Absätzen mit Maasswerkblenden und wohlgebildeteil Fialen sich 
verjüngen. So ferner die reichen und complicirten Sterngewölbe, 
welche die ganze Kirche decken und die zarten Dienste an den 
schlanken Pfeilern. 
Bei dem Geschick und der Einsicht, welche der Oberbau be- 
weist, drängt sich die Frage auf, wodurch der Meister bestimmt 
worden, sich die mühsame und undankbare Aufgabe zu stellen, 
die Centralanlage der Liebfrauenkirche hier bei ganz andern Ver- 
hältnissen nachzubilden. Bekanntlich giebt es eine Zahl von Kir- 
chen, welche dieselbe Choranlage haben, wie der Trierer Bau, 
dabei aber auf der andern Seite des Kreuzschißes ein gewöhnliches 
dreischifiiges Langhaus. Wenn der Meister also auch hier eines 
solchen bedurfte, so hätte es ihm viel näher gelegen, sich an eine 
dieser Kirchen, als an jene Centralanlage, zu halten. Wenn er 
auch die älteste derselben, St. Yved in Braine, nicht kannte, wer- 
den ihm, da er so genaue Studien in Trier gemacht hatte, die 
rheinischen Exemplare dieser Gattung , St. Victor in Xanten, 
S. Katharina in Oppenheim u. a. nicht unbekannt gewesen sein. 
Auch bedurfte es zu dieser einfachen Lösung kaum eines Vor- 
bildes, und der Meister muss daher, indem er aus der Reihe der 
 Von dem Dasein dieser Krypta erfahren wir erst durch 
des Bischofs von Kaschau in den Mittheilungen IV. S. 301. 
an Bericht
        

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