Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975197
Rundbauten. 
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Man darf annehmen, dass der Styl der bisher erwähnten 
Kirchen, obgleich noch mit romanischen Formen gemischt, sich 
das ganze XIII. Jahrhundert hindurch erhalten hat; denn neben 
ihm finden wir nur Bauten des reichen gothischen Styls, von de- 
nen nur eine kleine Zahl dem XIV., bei Weitem die meisten dem 
XV. Jahrhundert angehören. Theils die nationale Eigenthümlich- 
keit jener Gruppe, theils der Umstand, dass auch in Oesterreich 
der spätgothische Styl überwiegt  genügen, um diese Erschei- 
nung zu erklären. 
Eine der frühesten und reinsten unter den gothischen Bauten 
Ungarns ist die jetzt den Benedictinern überwiesene ehemalige 
Franciscanerkirche zu Oedenburgädß). Der Grundplan ist ein 
diesen Gegenden ganz fremder, an westphälische Kirchen erin- 
nernder, nämlich ein fast quadratisches, durch vier Rnndsäulen 
in neun Gewölbfelder von gleicher Höhe, jedoch bei fast doppel- 
ter Breite des Mittelschiffes getheiltes Langhaus, nebst einem 
einschifiigen, aus zwei Gewölbfeldern und dem Schlusse mit fünf 
Seiten des Achtecks bestehenden Chore. Besonders dieser Chor 
ist in den edelsten Formen reicher Gothik erbaut, mit Weich und 
vortrefflich profilirten Eckpfeilern, freiem Blattwerk der Kapitale, 
hohen drei- und zweitheiligen, mannigfaltig gebildeten Maass- 
werkfenstern, endlich am Aeussern mit kräftigen, aber noch nicht 
mit Schmuck überladenen Strebepfeilern. An der Nordseite des 
Langhauses ist ein schlanker quadrater Glockenthurm mit acht- 
eckigem Oberbau und gemauerter Spitze angefügt, der unten als 
Portal und Vorhalle dient. Das Ganze ist der ersten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts zuzuschreiben und in Beziehung auf Reinheit 
des gothischen Styls vielleicht die beste Leistung Ungarns. 
Ein mächtigeres Werk und dabei von höchst pikanter An- 
lage ist der Dom St. Elisabeth zu Kaschanmkk]. Der Grund- 
 Oben Bd. VI. 318. 
m) Mitth. d. k. k. C. C. VIII. S. 339. Vgl. einige verwandte west- 
phälische Kirchen, Bd. VI. S. 277 H. 
 Vgl. den Aufsatz von K. Weiss in den Mitth. II. 236, 275, der die 
Materialien und Abbildungen aus einer in ungarischer Sprache verfassten 
Monographie von Henszelmann entnommen hat. Ein näheres Studium des 
Monuments und die Publieation weiter eingehender Zeichnungen bleiben 
zu wünschen. 
VII. 
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