Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975149
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Ungarn. 
wenn auch ritterlich kräftigen Haltung und dem geregelten 
kühnen Aufschwung der französischen Gothik ist sehr bemer- 
kenswerth und es ist sehr begreiflich, dass die Magyaren an 
dieser Erscheinung ihrer monumentalen Gebäude eine besondre 
Befriedigung fanden. 
Man kann nicht sagen, dass dieser Styl einer bestimmten 
Gegend vorzugsweise angehört; er findet sich, meistens an 
Klosterkirchen, über das ganze Land verbreitet. Das älteste Bei- 
spiel ist die Kirche zu Lebeny (Leyden) im Raaber Comitat. 
Das Kloster war 1202 gestiftet und es ist möglich, dass die Jah- 
reszahl 1206, welche in neuem Zuhlzeichen, aber muthmasslich 
nach einer ältern Inschrift einem Stein eingezeichnet ist, den An- 
fang des Baues angiebt. Aber auch innere Gründe, der aus- 
schliessliche Gebrauch des Rundbogens und die grössere Ein- 
fachheit sprechen daflir, dass sie den andern Kirchen dieser Art 
vorangegangen ist. Die Verhältnisse sind noch nicht festgestellt, 
man ist sich noch nicht bewusst gewesen, wohin der nationale 
Geschmack strebte. Das Mittelschiff hat noch verhältnissmässig 
grössere Breite und grössere Höhe, so dass es luftiger erscheint, 
die Thürme sind noch nicht in Stockwerke getheilt, und die 
ganze Faqade ist ziemlich schmucklos und leer, nur dass das 
Portal schon reich und anmuthig geschmückt ist. 
Lebeny war der reichen Benediktinerabtei Martinsberg '51) 
untergeordnet und auch diese erhielt ungefähr um dieselbe Zeit 
eine neue, im Jahre 1222 geweihete Kirche, welche der von Le- 
beny ähnlich gewesen zu sein scheint. Der westliche Vorbau ist 
behufs einer Erneuerung im vorigen Jahrhundert abgebrochen, 
aber die Pfeilerbildung und die Anlage der mittleren Theile 
gleichen den dortigen, nur dass die Scheidbögen spitz sind. 
Das vollendetste und prachtvollste Exemplar dieser Gruppe 
ist die Klosterkirche St. J akW), unfern der steiermärkischeu 
Grenze. Schon im Grundrisse ist hier eine Verbesserung bemerk- 
 S. über Läbäny den vortrefflichen Aufsatz von Essenwein mit Ab- 
bildungen in den Mitth. II. 7 6., über Martinsberg das Jahrbuch I. 100. 
 Die ausführliche Beschreibung und zahlreiche, freilich zum Theil mehr 
malerisch als architektonisch gehaltene Abbildungen geben die beiden oben 
citirten Aufsätze in dem Jahrbuch S. 132 ff. und den Kunstdenkm. S. 83 1T.
        

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