Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975079
Krakau. 
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man an einen hier durch die Ordensgemeinschaft leicht erklärbaren 
Zusammenhang denken muss, während andererseits hier sowohl 
wie im Dome an der geraden Schlusswand des Chors das Ge- 
wölbe vermöge einer Mitteltheilung eine dem Polygonschlusse 
ähnliche Gestalt hat, wie an einigen Kirchen in Preussen. Neben 
diesen Spuren deutschen Einflusses fällt eine rohe Einrichtung auf, 
Welche alle diese Kirchen gemein haben, die nämlich, dass der 
Strebepfeiler, welcher am Oberschiffe von aussen sichtbar hervor- 
tritt, schon unten in den Seitenschiffen dem Pfeiler in seiner rohen 
viereckigen Gestalt angebaut ist. Die andern gothischen Kirchen, 
sämmtlich wie die bisher genannten in Ziegeln erbaut, jedoch mit 
Einmischung einzelner, in Haustein gearbeiteter Theile, verdienen 
nicht besonderer Erwähnung, wohl aber einige Profanbauten. 
Das alte Schloss der Jagellonen liegt zwar in Trümmern 
und das Rathhaus ist bis auf einen stehengebliebenerl Thurm ab- 
gebrochen, aber die gewaltige Tuchhalle, welche Kasimir der 
Grosse zur Beförderung des Handels um 1358 mit einer Länge 
von 324 und einer Breite von 34 Fuss errichtete, besteht noch, 
wenn auch in Folge eines Brandes von 1559 mit Abänderungen, 
Welche den ursprünglichen Charakter entstellenä). Auch von den 
grossartigen Befestigungswerken, der doppelten Mauer nebst 
dem Graben, den sieben Thoren und den 31 kleineren 'l'hürmen 
sind noch bedeutende Theile erhalten, vor Allem das kolossale 
Floriani Thor, ein ausserhalb der zweiten Mauer liegendes, mit 
allen Vertheidigungsmitteln ausgestattetes Werk von kolossalen 
"Verhältnissenääü. 
Wie in der Architektur herrscht auch in den darstellen- 
den Künsten bis zu dem Eindringen der Renaissance. die 
deutsche Schule vor; die zahlreichen Altäre des XV. Jahrhunderts 
mit Schnitzwerk und Gemälden gehören ihr unzweifelhaft an und 
Selbst die berühmten Werke des Veit Stoss, wenn er auch in 
Krakau geboren sein sollte, tragen dasselbe Gepräge. Die deutsche 
Kunst verdankte diesen Einfluss nicht etwa der Gunst der Könige, 
welche vielmehr in Folge ihrer häufigen Verbindungen mit dem 
1) Mmh. VIII. 131. 
"Q Vgl. die von vortrefflichen Zeichnungen 
Essenwein in den Mittb. I1. 315. 
begleitete Beschreibung 
VOR
        

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