Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975052
Polen. 
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Dasselbe gilt von den russischen Ostseeprovinzeil, 
Welche seit dem XIII. Jahrhundert von Deutschen im politischen 
Zusammenhange mit dem deutschen Orden beherrscht, in ihren 
Kirchen und Schlössern sich an die preussische Bauweise an- 
schlossen. 
Polen war zwar schon sehr viel früher zum Christenthume 
bekehrt, aber es dauerte lange, ehe die Kirche einen civilisirenden 
Einfluss gewann, und auch da zeigte sich, dass dem übrigens in 
mancher Beziehung begabten Volke der architektonische Sinn in 
höchstem Grade fehlte. Schon Tacitus bemerkt von den Sarmaten 
im Gegensatze gegen die Häuser bauenden VVenden. dass sie nur 
im Vvagßll und zu Pferde lebtenii), und diese Schilderung passt 
noch heute trotz des Jahrhunderte langen Besitzes eines acker- 
bauenden Landes auf den polnischen Adel. Noch immer ist für 
die Mehrzahl desselben der Wagen die eigentliche Heimath, für 
deren Schmuck und zweckmässige Einrichtung er Sorge trägt, 
das Haus nur ein vorübergehendes Nachtquartier, dessen äussere 
Gestalt ihm gleichgültig ist, dessen Erhaltung er selbst bei den 
günstigsten Verhältnissen und der üppigsten Lebensweise zu ver- 
nachlässigen pflegt. Nur die Schlösser des höchsten Adels und 
auch diese erst in den letzten Jahrhunderten machen davon eine 
Ausnahme. Es ist begreiflich, dass unter einem solchen Volke 
auch die kirchliche Baukunst keinen bedeutenden und noch we- 
niger einen eigenthümlichen Aufschwung nehmen konnte, dass 
auch für die wenigen etwa von Fremden errichteten monumen- 
talen Bauten der Sinn der Erhaltung fehlte, und dass daher die 
gothischen Kirchen Polens fast durchgängig ohne litten-esse sind. 
Selbst der Dom zu Gnesen, diese älteste Metropolitane Polens, 
zu der schon Kaiser Otto III. wallfahrtete, lässt ausser der 
ehernen Thüre, die ein merkwürdiges, wenn auch nicht gerade 
vorzügliches Werk deutscher Kunst ist auf), nur noch den Umfang 
des alten Gebäudes imd einige Reste seiner stattlichen Gestalt 
erkennen. 
Nur eine Stelle Polens macht eine Ausnahme, die alte Haupt- 
und Krönungsstadt der polnischen Könige, Krakau, das mit 
Ü) Tac. Germ. 
w) S. oben Bd. 
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