Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968923
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Italienische 
Poesie. 
keres Motiv zur Tugend zu betrachten, als selbst die Seligkeit. 
Dem Dichter Folco von Marseille, den er im Paradiese trifft, wird 
nämlich eine mehr als fünfhundertjährige Dauer seines Namens 
bei der Nachwelt verheissen, und der Gedanke eines so lange an- 
haltenden Ruhmes, eines so langen „andern Lebens" nach dem 
ersten f) ergreift ihn so sehr, dass er ihn als den stärksten Grund 
prüft , nach Auszeichnung zu streben. Er scheint dabei ganz zu 
vergessen, dass die ewige Seligkeit, die derselbe Folco neben 
jenem Ruhme genoss, denn doch noch grösseren Werth habe. 
Freilich wird das Aulfallende dieser Aeusserung dadurch vermin- 
dert, dass die Ruhmliebe ihm als Mittel zur Tugend auch ein 
Mittel zur Seligkeit ist. Diejenigen, denen sie der Antrieb zu 
grossen und guten, welthistorischen Thaten gewesen war, sind 
auf dem Planeten Merkur versammelt, und wenn sie sich mit dem 
Aufenthalte auf diesem niedrigeren Planeten begnügen müssen, 
Während andre Seelen, deren Gottesliebe als reinere Flamme auf- 
wärts drang, höhere Stelle einnehmen, so ist dies keine Entbeh- 
rung, denn in Gottes Reiche ist die Seligkeit Allen gleich, jeder 
erfreut sich an der dort herrschenden Ordnung in gleichem Maasse. 
Grade die Ruhmesliebe ist demnach als die Quelle der tugendhaf- 
ten Thaten dieser Seelen auch die ihrer Seligkeit, was denn aus- 
drücklich ausgesprochen wird im). Liebe des Ruhmes ist also 
ziemlich gleichbedeutend mit Liebe zur Tugend; sie darf keiner 
edeln Seele fehlen. Sie ist der Sporn zur Ueberwindung aller Hin- 
dernisse. Als Dante einmal beim Erklimmen eines steilen Fels- 
pfades in der Hölle athemlos und matt sich ausruhen Will, belehrt 
ihn Virgil , dass auf Kissen und unter weicher Decke man nicht 
zum Ruhme käme und giebt ihm eine mit starken Farben aufge- 
tragene Schilderung der Ruhmlosigkeit. Denn „wer sein Leben 
ruhmlos hinbringt, ist wie ein Rauch in der Luft, wie Schaum 
Ü Parad. IX. 37. Vedi se far Si del Yuom eccellente. si oh" altra vita 
1a prima relinqua.  
n] Parad. VI. 112.: 
Von solchen gulen Geistern ist geschmücket 
Der kleine Stern hier, welche thätig waren, 
Damit sie Ehr und Ruhm erlangen möchten. 
Uebers. v. Philalethes.
        

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