Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975039
Kathedrale 
Zll 
Stavanger. 
657 
lieh, manche bei einem gewissen märchenhaften Reize doch zu 
bizarr und willkürlich. Das rechte Maass hat auch hier gefehlt 
und die nordische Phantasie hat auch hier die Grenze des Archi- 
tektonischen überschritten. 
Auch scheint es nicht, dass dieser ausgezeichnete Bau Nach- 
ahmung gefunden hat, namentlich kommt die achteckige Anlage 
des Chores nicht weiter vor, er schliesst vielmehr meistens, wie 
an der Kathedrale zu Stavangerß), mit einer rechtwinkeligen 
WVand, welche hier mit weitgeößneten Maasswerkfenstern sehr 
würdig geschmückt ist. Demnächst scheint der englische Ein- 
fluss nachzulassen; der Tudorstyl fand auch hier keinen Eingang 
und die meist sehr einfach gehaltenen spätgothischen Kirchen 
weisen mehr auf einen Zusammenhang mit deutschen Bauten hinWF). 
In S c h wed e n tritt uns zunächst die merkwürdige 'l'hatsache 
entgegen, dass man, als es sich um einen Neubau der Kathe- 
drale von Upsala handelte, sich geradezu nach Paris wendete, 
wo sich Meister Etienue de Bonneuil zufolge Contracts vom Jahre 
1287 verpflichtete, den Bau zu leiten und sich zu demselben und 
zwar mit vierzig Gehülfen einzufindeir. Die Anlage istiu der That 
eine ganz französische; ein Langhaus von sieben Jochen, ein ein- 
faches Kreuzschiff, eine geräumige Choranlage mit demUmgange 
und einem Kranze von fünf polygonförmig schliessenden Kapel- 
len; die WVestseite mit zwei Thürmen, die drei Faqaden mit Por- 
talen und Rosenfenstern, das Ganze endlich mit Strebepfeilern und 
Strebebögen ausgestattet  Allein die Ausführung erinnert un- 
geachtet jener vierzig Gehülfen in den meisten 'l'heileir doch an 
die gothischen Kirchen in Lübeck und Mecklenburg, und jeden- 
falls fasste der französische Styl hier keine tieferen Wurzeln, 
4') Vgl. die kleine Abbildung bei Minutoli, der Dem zu Drontheim, S. 13. 
"j Dies (nach Kuglefs Mittheilung im D. K.-Bl. 1856, S. 166) das 
Urtheil des norwegischen Kunstforschers Nieolaysen in dem Jahresbericht 
des dortigen Alterthums-Vereins für 1854. 
 Den Grundriss und eine Aussenansicht geben theils nach den Monu- 
menta Uplandica II. p. 16, 24, theils nach der Suecia ant. et hod. Agincourt 
Taf. 43 Fig. 20 H. und die Denkm. d. Kunst Taf. 56 Fig. 8. Andere Aussen- 
ansichten Gaymard, Voy. de Scandinavie tab. 195, 196. 
VII. . 42
        

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