Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975026
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Norwegen. 
mässigem geometrischen Maasswerk, aber sehr reich mit kleinen 
Zackenbögen und Pässen ausgearbeitetes Triforium, dann zwi- 
schen den Schildbögen des achteckigen Rippengewölbes je drei 
schlankeste Lancetfenster, so dass die ganze Höhe des achteckigen 
Baues durch sehr mannigfaltige, pikante Formen belebt ist. Der 
höchste Reichthum des Schmuckes ist aber über die unteren 
Seitenwände des Chorumganges ausgegossen. Da kommen reich 
mit Blattwerk, Stäben und Blumen verzierte, sich durchschnei- 
dende Spitzbögen vor, die bald auf Säulen mit blattreichen dünnen 
Kapitälen, bald auf Consolen ruhen, oder auch gelegentlich mit 
diesen frei in der Luft herabhängen, Dienste, die einfach aufstei- 
gend sich wie Armleuchter theilen, um drei Mal zu tragen, Säu- 
lenschäfte, die frei aus der Wand herauswachsen, um dann in 
rechtwinkeliger Biegung senkrecht aufzusteigen u. s. R4) Auch 
das Aeussere des Octogons ist reich ausgestattet; der Umgang 
auf jeder Seite mit einer dicht" verbundenen Fenstergruppe von 
zwei spitzbogigen und einem darüber liegenden kreisförmigen 
Fenstes, dann mit sich durchschneidenden Bögen, wohlgeglieder- 
ten Strebepfeilern, von welchen Strebebögen zum Oberbau auf- 
steigen, welcher mit fast überladenem Reichthume vor jedem 
Oberlicht eine Gruppe von fünf nach der Mitte zu wachsenden und 
von einem Spitzgiebel umrahmten Lancetarcadeil hat. Die acht- 
eckige Gestalt des Chors ist vielleicht eine Reminiscenz des pyra- 
midalen Aufsteigens der älteren norwegischen Holzkirchen, viel- 
leicht eine künstlerische Ausbildung einer einheimischen Sitte, die 
sich auch sonst in der sehr ausgesprochenen Sonderung des Chors 
von der Gemeinde zeigt. Aber jedenfalls ist die ganze architek- 
tonische Anordnung höchst originell und ein Beweis voller Frei- 
heit bei derBenutzung der fremdenForm. Indessen kann man nicht 
leugnen, dass dennoch und trotz der meisterhaften Ausführung 
aller Details in vortrefflichem Material die Wirkung keine ganz 
befriedigende ist. Manche Theile erscheinen überladen und klein- 
Ü Kugler (Bank. III. 508) glaubt auch diese Theile in das Jahr 12-18 
setzen und die jünger erscheinenden Details Herstellungen nach den Bränden 
von 1328, 1431, 1531 zuschreiben zu können. Mir scheint die ganze An- 
lage, ungeachtet mancher früheren Formen, ans der Spätzeit des englischen 
decorirten Styls hergeleitet.
        

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