Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974990
Rosslyn-Kapelle. 
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Formen der gleichzeitigen Portale in England und Frankreich 
unterscheiden. Man kann nicht behaupten, dass auf diesemWege 
ein consequentes System entstand; die etwas schweren netz- 
förmigen Rippen der Gewölbe und die kräftige Bildung der tra- 
genden Pfeiler entsprechen den zierlichen Formen der Portale und 
des Fenstermaasswerks nicht völlig. Die ganze Verfahrungsweise 
hat vielmehr etwas Eklektisches, Individuelles, das aber den ein- 
zelnen Monumenten eine gewisse Frische verleiht. 
Die Kirche S. Giles in Edinburgh, grösstentheils aus dem 
XIV. Jahrhundert, die Kathedrale von Dunkeld, die schon er- 
wähnte Pfarrkirche in Linlithgow, die Ueberreste der Kathedrale 
von St. Andrews, die Abteikirche von Pluscardine und endlich die 
berühmte, wieder viel besungene Ruine von Melrose aus der 
ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts sind die bedeutendsten Lei- 
stungen dieser späteren schottischen Schule. deren Unabhängig- 
keit von der englischen sich am Stärksten darin zeigt, dass der 
Perpendicularstyl der letzten auf sie so gut wie gar keinen Ein- 
fluss übte. Höchstens kann man in dem Maasswerke der kolos- 
salen Ostfenster einen doch immer nur bedingten Anklang daran 
finden, wie dies z. B. in Melrose der Fall ist. Dagegen steigerte 
sich jener Individualismus in der zweiten Hälfte des XV. Jahr- 
hunderts in einzelnen Fällen bis zur ausschweifendsten Willkür. 
Den stärksten Beweis dafür giebt die oft genannte Kapelle von 
Rosslyn, welche der reiche und mächtige Laird des Ortes von 
1446 bis 1480 als Grabstätte für sich und seine Nachkommen 
errichten liesstli"). Wenn er, wie erzählt wird, dazu Arbeiter aus 
entfernten Gegenden kommen liess, so haben diese sich aller hei- 
mischen Erinnerung entschlagen, denn dieser Bau hat nirgends 
ein Vorbild, sondern ist ein abenteuerliches Gemisch verschiede- 
ner spätgothischer Formen. Der vordere, aus vier Jochen beste- 
hende Theil ist dreischiflig; das höhere Mittelschiff hat ein fort- 
laufendes Tonnengewölbe, die SeitenschiHe aber sind mit eben 
Solchen quergelegten Gewölben, die auf einem von dem Pfeiler- 
kapitäl zur Wand gehenden Balken ruhen, gedeckt. Die Pfeiler 
bestehen aus schweren, von dünnen Diensten oder von convexen 
Pitg 
g] Britton, 
N0. 69. 
Architectural 
Antiquities, 
V01. II. 
Pßg- 47. 
ChapllY
        

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