Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974914
Plastik 
und 
Malerei. 
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entarteten Formen, aber die Kirche ist, abgesehen von einigen, 
offenbar bewusster Weise den Verhältnissen und Anschauungen 
des südlichen Landes gemachten Concessionen, ein Werk reinen 
rmd edeln gothischen Styls, das in dieser Beziehung alle andern 
Bauten der Halbinsel und selbst manche gleichzeitigen Monumente 
der nördlichen Länder übertrifft, und die späte Zeit seiner Ent- 
stehung nur durch die abstracte Regelmässigkeit, im Gegensatze 
gegen die Frische der Frühgothik verräth. Der Erfinder des 
Planes ist unbekannt  indessen lässt eben jene Reinheit des 
fremden Styls kaum zweifeln, dass er ein Ausländer, lmd die 
Art des Maasswerks , sowie die überhaupt etwas abstracte Auf- 
fassung vermuthen, dass er ein Engländer gewesen. 
Ueberblickerl wir hiernach die architektonischen Leistungen 
der Halbinsel bis zum Schlusse des Mittelalters , so wird man sie 
vielleicht ilicht so bedeutend finden, wie es nach der Eigenthüm- 
lichkeit und Energie der Nation zu erwarten War. Ihre Kraft 
war nach einer andern Seite hin gerichtet und verhielt sich in 
dieser Beziehung mehr empfangend. 
Noch mehr gilt dies, so Weit wir den freilich unzulänglichen, 
uns gebotenen Nachrichten trauen dürfen, von der darstellenden 
Kunst. Was sich an plastischen Werken theils in Metall und 
Elfenbein, theils in Stein an den Gebäuden findetiiiie), entspricht 
ungefähr dem Style, der gleichzeitig jenseits der Pyrenäen herrschte. 
An den Aposlelstatuen des nach ihnen benannten Portals der Kathe- 
drale zu Burgos etwa aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts wird die 
durch eine grossartige, wenn auch derbe Behandlung hervorge- 
brachte ergreifende Wirkung, an den Statnetten von Aposteln, Hei- 
 Ein mönchischer Geschichtschreiber aus dem XVII. Jahrhundert, 
Frey Luiz de Sousa, versichert, dass König Johann behufs dieses Baues 
Architekten und Steinmetzen aus den "entferntesten Ländern" herbeigerufen 
habe, während der obengenarmte neuere Schriftsteller Frey Francisco de 
S. Luiz einen Alonso Dominguez, also einen Portugiesen, der in einer Ur- 
kunde vom Jahre 1402 als verstorben erwähnt wird, zum Erfinder des Planes 
machen will, und Andere einen Irländer Hacket nennen. Alle diese An- 
gaben sind unbewiesen. 
"j Passavant, die christliche Kunst in Spanien, S. 31 ff-
        

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