Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974871
Dom 
Sevilla. 
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Gothik sonst ausschliesslich angewendeten Bündelpfeiler treten 
hier häufig, wie in Belgien, Bundsäulen, welche, da die Seiten- 
schiffe fast die Höhe des Mittelschiffes erreichen und die Ober- 
lichter fortfallen, auf ihren schmucklosen Kapitälen die Rippen 
der sternartigen Gewölbe tragen i). Diese Kirchen, unter 
denen S. Maria zu Tolosa die bedeutendste ist, gleichen daher 
fast nordischen Hallenkirchen. Auch ausserhalb dieser Provinzen 
findet sich zuweilen die Halleuform, namentlich an der Kathedrale 
von Saragossa, wiederum mit künstlichen Bippenverschlin- 
gungen des Gewölbes, jedoch nun wieder mit reich gebildeten 
Bündelsäulenw). 
Auf die Gothik des XV. Jahrhunderts im Allgemeinen muss 
ich später zurückkommen, da ihre Gestalt für die Richtung des 
spanischen Geistes bei seinem Uebergange in die neuere Zeit 
bezeichnend ist. Indessen will ich der Kathedrale von Sevilla 
noch hier gedenken, weil sie gleich am Anfange dieses Jahr- 
hunderts begonnen, gewissermaassen den Abschluss und das 
Resultat der bisherigen Entwicklung bildet. Die uralte bischöf- 
liche Kirche war von den maurischen Fürsten vergrössert und in 
eine Moschee verwandelt, welche dann nach der Wiedereinnahme 
wieder dem christlichen Cultus diente. Im Jahre 1401 fasste aber 
das Kapitel den Beschluss eines Neubaues und verkündete in 
demselben, mit einer Kühnheit, fdie bei der Geringfügigkeit der 
vorhandenen Mittel einen fast orientalischen Klang hat, dass die 
künftige Kirche an Grösse und Schönheit alle bisherigen Kathe- 
dralen übertrelfeu sollte. In Beziehung auf die Grösse ist dies in 
Erfüllung gegangen, alle übrigen Kathedralen Spaniens stehen 
hinter dieser zurück, was Sie freilich zum Theil den maurischen 
Vorarbeiten verdankt. Denn wie die prachtvolle Giralda noch jetzt 
als Glockenthurm dien-t und ein maurisches Thor den Eingang 
zu dem noch fast völlig in seiner maurischen Einrichtung erhal- 
tenen Vorhofe , dem „Hof'e der Orangenu gewährt, hat auch die 
Kirche die Fundamente und den Umfang der Moschee behalten. 
Sie bildet, abgesehen von der im Renaissancestyl angebauten 
flachen Chornische, ein einfaches Rechteck von 291 Fuss Breite 
Ü Villa Amil III. Taf. 28 und 
"j Daselbst Taf. 45 und 47. 
VII.  
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