Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974834
im 
XIV. Jahrhundert. 
637 
Geist aristokratischer und kirchlicher Disciplin zu tief begründet 
war, um durch eine etwas stärkere Betonung des persönlichen 
Elementes zu leiden. 
Der Eifer für kirchliche Stiftungen und kirchliche Kunst er- 
losch daher keineswegs, nur dass sie, wie auch in den andern Län- 
dern, einen mehr individuellen Ausdruck und Charakter annahmen. 
Auch hier handelte es sich jetzt seltener um neue Anlage grosser 
Kathedralen, als um decorative Ausstattung, um Facaden, Por- 
tale u. s. w. oder gar um Hinzufügung von Kapellen und andern 
Nebenbauten, in welchen Einzelne Denkmäler ihrer freigebigen 
Frömmigkeit stiften wollten. Man strebte daher im Allgemeinen 
Wie bei den andern Völkern nach grösserer Pracht und Eleganz, 
nach luftigeren, schwunghafteren Verhältnissen. Pfeiler und 
Dienste wurden auch hier schlanker, die Fenster weiter, die 
Maasswerkbildungen flüssiger und künstlicher, die Strebepfeiler 
und Fialen schmuckreicher. Indessen geschah dies nicht ganz in 
derselben Weise, wie in den andern Ländern. Jene abstracte 
Gesetzlichkeit der französischen und deutschen Gothik, welche 
das Princip des Verticalismus und des organischen Zusammen- 
hanges rücksichtslos durchführte, kam hier überall nicht auf, die 
constructiven Glieder behielten vielmehr noch lange eine einfache, 
strenge Bildung. Das Innere wurde vermöge der südlichen Vor- 
liebe für das Schattige oft wenig beleuchtet, in gewissen Gegen- 
den blieben sogar die Oberlichter oft fort. Im Aeussern entschloss 
man sich nur selten zu durchgeführtem Stabwerk, und die Fa- 
Qade hat oft, wie in Italien, ausser dem Portale nur den Schmuck 
einer Fensterrose. Neben dieser Einfachheit der Anordnung tritt 
dann aber das Ornament, wo es seine Stelle hat, reich lllld voll 
hervor. Die Kapitale, welche der nordische Verticalismus als 
störend vermied, wurden beibehalten, ja sogar ziemlich gross 
gebildet und mit buschigem Laubwerk ausgestattet, und auch 
sonst liebte man bald schwellend volle, bald übermässig zarte, 
kokette Formen des Schmuckes. Die künstlichen Gewölbarten, 
die in Frankreich in dieser Zeit noch äusserst selten waren, wur- 
den hier frühe angewendet, und die Arcaden erhielten oft an 
ihren Intrados einen Kranz von Hängebögen, deren feine Ausar- 
beitung sich am Schlüsse des Jahrhunderts schon so gesteigert
        

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