Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974809
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Spanien. 
der SeitensehiHbreite entsprechende, sondern eine etwas weitere, 
und dass das Mittelschiff statt mit den schweren sechstheiligen, 
mit schmaleren Kreuzgewölben gedeckt ist. Die Pfeiler sind auch 
nicht mehr, wie in Paris, stämmige Rundsäulen, sondern wie schon 
in den Domeu von Bourges und le Mans, runden Kerns und mit 
zwölf theils stärkeren, theils schwächeren Dreiviertelsätllen um- 
stellt, an deren Stelle im Llmgange des Chors wegen der compli- 
cirten Wölbung sogar sechszehn dünnere Dienste treten. Das 
Höhenverhältniss der Schiffe ist äusserlich genommen dasselbe 
wie in Paris, so dass sie stufenweise emporsteigen, das innere 
Seitenschiff über das äussere, das Mittelschiff dann wieder über 
jenes. Aber indem die Anlage einer Empore fehlt und das innere 
Seitenschiff ohne [Tnterbrechung bis zu der Höheaufsteigt, welche 
dort das Gewölbe der Gallerie bildet, und nun oberhalb des nie- 
drigen äusseren Seitenschiffes Triforien und Oberlichter hat, wie 
das Mittelschiff, entsteht dadurch eine ganz andere, viel luftigere 
Wirkung. Es ist dies das System, welches in Frankreich selbst 
nur ein Mal, nämlich in der Kathedrale von Bourges, angewendet 
ist, welche wahrscheinlich um dieselbeZeit im Bau begriffen war. 
Auch der Chor weicht von dem in Notre-Dame zu Paris ab, in- 
dem die Schwierigkeiten, welche die Ueberwölbung des runden 
Umganges darbot, in anderer, mit dem kurz vorher erbauten Chore 
der Kathedrale in Maus ziemlich übereinstimmender Weise da- 
durch beseitigt sind, dass mit den viereckigen Gewölbfeldem 
dazwischen eingeschobene keilförmige alternirentk). Soweit also 
ein enges Anschliessen an die damalige französische Schule; da- 
neben kommen aber alterthümliche, romanische und endlich selbst 
maurische Remiuiscenzen vor, besonders im Chore, der offenbar 
der älteste Theil ist. Die Basis der Pfeiler hat noch gedrückte 
attische Form mit eigenthiimlich volutenartig gebogenen Eckver- 
zierungenwi), die Arcaden sind in den Höhlungen mit Blumen 
ausgelegt, wie in England, die Oberlichter des Mittelschiffes durch 
 Vgl. die Grundrisse der Kath. zu Paris und Bourges bei Viollet- 
le-Duc II. 294. 295, den Durchschnitt von Bourges und den Plan des Chores 
der Kath. von Mans I. 199. 236. 
u] Guhl a. a. O. C01. 357 weist auch hier auf eine ähnliche Form im 
Dome zu Magdeburg hin. Sie findet sich aber sehr häufig, z. B. in Deutsch-
        

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