Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968898
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fehlen. Dies geschieht in verschiedener XVeise, theils im Maasse, 
theils im Gegenstande. Im Maasse, wenn die Seele sich den sinn- 
lichen Dingen, die an sich gut, aber untergeordnet sind, einseitig 
hingiebt, also durch Geiz oder" Yerschwendung, durch Schwel- 
gerei oder sinnliche Liebe sündigt, oder auch, wenn sie sich zwar 
höhern Dingen zuwendet, aber lau, mit schwacher, die mensch- 
liche Bequemlichkeit nicht überwindender Liebe d). im Gegen- 
stande, wenn sie statt des Guten das Böse, gegen Gottes Liebes- 
ordnung angehende, also, da Selbsthass unmöglich ist, den Scha- 
den des Nächsten liebt, woraus Hochmuth, Hass, Zorn und die 
gröberen 'l'hatsiindei1 und Verbrechen hervorgehn. Liebe ist also 
der Grund jeder Tugend wie jeder strafbaren Handlung. Da aber 
jede Liebe nach einem Gute strebt, und Gott, das höchste, ja 
eigentlich das alleinige Gut ist, indem alle andern wahren Güter 
nur vereinzelte Strahlen seines Lichtes sind, so ist auch jede un- 
vollkommene oder auch falsche Liebe eine entweder irregeleitete 
und getäuschte, oder doch unklare und schwache Gottesliebe, und 
mithin etwas Besseres wie der Mangel aller Liebe. Auf diesem 
Gedankengange beruhet es, dass Dante ausser den 'l'rägen, die 
er im Purgatorio ihre „zu wenige" Liebe schlechtweg durch 
eiliges Laufen büssen lässt, eine andere auf den ersten Blick kaum 
davon zu unterscheidende Klasse annimmt, der er das härteste 
Loos anweistv, die Feigen und 'l'hatenlosen, „die ohne Lob gelebt 
und ohne Tadel". Die Hölle selbst weist sie zurück, nicht bloss 
das Erbarmen, sondern auch die Strafe ist ihnen versagt. In der 
Finsterniss des Limbus von nie ruhendem Winde gejagt, von 
Fliegen und Wespen gestochen, in verwirrtem und verzweifeltem 
Jammer beneiden sie j ed es andre Schicksal, auch das der Ver- 
dammten. Sie haben nie gelebt und nicht einmal die Hoffnung, zu 
leben. Dante denkt sie sich also im Gegensatze gegen jene Trägen, 
die eine, wenn auch schwache Liebe hatten, als die völlig Liebe- 
losen, die vollendeten, erstarrten Egoisten, die nicht einmal der 
Begierde nach dem Falschen oder des Muthes der Begierde fähig 
waren. Ihnen gleichgestellt sind tiann die Engel, welche bei der 
Auflehnung Lucifers neutral, "für sicha blieben; sie werden nicht, 
i") Die Trägen im Purgat. XVIII. 103. ermuntern sich durch den Zuruf: 
Ratto, ratto, ehe "l tempo non si perda per poco amor. 

        

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